2021-12-01: Unterstützung für Menschen mit chronischen Erkrankungen am Arbeitsplatz

Chronisch krank am ArbeitsplatzWie soll ein Mensch mit einer chronischen Erkrankung an seinem Arbeitsplatz damit umgehen? Soll er sie verschweigen, hoffen, dass niemand etwas merkt? Soll er sich dem psychischen Druck aussetzen, die ein Verheimlichen mit sich bringt? Womöglich seine Medikamente nicht rechtzeitig einnehmen, weil der Betriebsauflauf das nicht vorsieht und riskieren, dass sich sein Gesundheitszustand verschlechtert?

Oder soll er offensiv mit seiner Erkrankung umgehen und Gefahr laufen, ausgegrenzt oder benachteiligt zu werden? Am Ende gar seinen Arbeitsplatz zu verlieren?

Beides keine wünschenswerten Perspektiven. Es gibt nur eine Möglichkeit, dieser Falle zu entkommen: Wenn Arbeitgebende ein Klima der Wertschätzung und Unterstützung auch für Mitarbeitende mit chronischen Erkrankungen schaffen.

Wie wichtig das ist, zeigt ein Blick auf die Faktenlage: Laut einer Studie des Robert-Koch-Institutes sind etwa ein Drittel aller Erwerbstätigen in Deutschland chronisch krank. Zu den vielen verschiedenen Erkrankungen zählen zum Beispiel HIV/Aids (aktuell geschätzt etwa 91.400 HIV-Positive), Multiple Sklerose (etwa 200.000 Erkrankte) und Rheuma (etwa 20 Millionen Erkrankte). Statistisch beschäftigt also jeder Betrieb mit mehr als drei Mitarbeitenden im Schnitt einen chronisch Erkrankten.

Holger Menze ist HIV-positiv und kennt beide Seiten des Themas. Er weiß um die Sorgen, die so manchen chronisch kranken Arbeitnehmenden umtreiben. Als Geschäftsführer der FRC Spenden Manufaktur in Berlin hat er aber auch die Arbeitgeberseite im Blick. Das kommt nicht nur ihm zugute, sondern auch seinem Team: "Der Umgang mit meiner HIV-Erkrankung hat meine emotionale Intelligenz als Chef gestärkt", ist er überzeugt und ergänzt: "Ich lobe viel, verzeihe und bespreche Fehler und lasse keine Ausreden gelten."

Anderen Arbeitgebenden macht Menze Mut zu mehr Offenheit, wenn er betont: "Berührungsängste mit chronisch kranken Menschen auf der Arbeit verschwinden, sobald sie im Team sind." An diesen Berührungsängsten setzt auch das Projekt "ChronMA – Chronisch erkrankte Menschen in der Arbeitswelt" an. Das Projekt wurde von der Aidshilfe NRW, dem Landesverband NRW der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft (DMSG) und der Rheuma-Liga NRW gemeinsam mit der Universität zu Köln und dem Forschungsbüro für Arbeit, Gesundheit und Biographie ins Leben gerufen. ChronMA wird gefördert durch den BKK Dachverband und arbeitet in Kooperation mit dem Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen (LIA.nrw). Ziel der Zusammenarbeit ist, mehr Offenheit in Unternehmen zu entwickeln, das Bewusstsein für die Arbeitssituation chronisch erkrankter Menschen zu stärken, sowie Blockaden für eine bessere Inklusion in die Betriebe zu erkennen und aufzulösen. Während größere Betriebe meist schon über Strukturen des betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) sowie über Arbeitsschutzstrukturen verfügen, fehlen diese in klein- und mittelständischen Unternehmen oft. Im Projekt soll herausgefunden werden, was Betriebe unterschiedlicher Größe brauchen, um gute Arbeitgebende für Menschen mit chronischen Erkrankungen sein zu können, und wie beide Seiten davon profitieren können. Schlussendlich profitieren davon aber nicht nur chronisch Kranke: „Belastungen am Arbeitsplatz gibt es für gesunde wie chronisch kranke Menschen. Bei beiden sind individuelle Lösungen gefragt“, sagt Holger Menze. Für diese am Einzelfall orientierten Lösungen setzt sich ChronMA bundesweit ein. "Wir brauchen klare Rahmenbedingungen, aber keine starre Bürokratie", so Stephan Gellrich von der Aidshilfe NRW, "denn eine gelungene Inklusion braucht Unterstützung, die passgenau auf den jeweiligen Menschen, den Betrieb und die Branche zugeschnitten werden kann."


Eine Fachtagung zum Thema ist für Mai 2022 geplant.


chronMA.de

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