Aktuelle Presseinformation der Aidshilfe NRW

CSD Empfang 2020 – Der Film geht online
Schwules Netzwerk NRW und Aidshilfe NRW präsentieren sich auch in Zeiten von Corona

Köln, 3. Juli 2020 – Der traditionelle CSD-Empfang des Schwulen Netzwerks und der Aidshilfe NRW findet aufgrund der aktuellen Situation und zum Schutz der Gäste online in Form eines vorproduzierten Films statt. "Die letzten Wochen haben uns gezeigt, wie wichtig es ist, gerade im Hinblick auf die Herausforderungen durch die Pandemie und die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Shutdowns Präsenz zu zeigen und für die Interessen unserer Zielgruppen einzustehen", erklärte Arne Kayser, Landesvorsitzender der Aidshilfe NRW. "So gern wir uns auch in diesem Jahr persönlich mit 600 Gästen im Kölner Gürzenich versammelt hätten, so sind wir von diesem Film begeistert und hoffen, damit noch mehr Interessierte zu erreichen", ergänzte Jürgen Rausch, Vorstandsvorsitzender des Schwulen Netzwerks NRW.

Anstelle der sonst üblichen Rede eines der Vorsitzenden nehmen in dem Film die Vorstandsmitglieder beider Landesverbände Stellung. "Wir können nicht für Emanzipation und Selbstbestimmung kämpfen und gleichzeitig in unseren eigenen Communities Rassismus tolerieren", so eines der Statements. Darüber hinaus forderten die Vorstände Sichtbarkeit und Solidarität verschiedener Identitäten innerhalb des LSBTIQ-Spektrums. "Trans*, inter* und queere Menschen sind heute dem Anspruch nach selbstverständlicher Teil queerer Politik. Wir können uns nicht weiter abgrenzen, deren Identitäten bisher nicht gesehen wurden." Dies brauche aber zusätzlicher Strukturen, die neues Personal, mehr Ehrenamt und somit auch Geld erfordern. "Unsere Forderungen nach queeren Strukturen sind kein Luxus einer übersättigten Queerlobby."

Die Verbände fordern, geschlechtliche Selbstbestimmung zu garantieren. Geschlechtliche Vielfalt sei eine Realität, doch sei ein selbstbestimmtes Leben jenseits des Frau/Mann-Schemas auch 2020 noch keine Selbstverständlichkeit. Und auch zum Thema Konversionstherapie haben das Schwule Netzwerk und die Aidshilfe NRW eine klare Position. Trotz rechtlicher Fortschritte bliebe es dabei: "Sexuelle Orientierung ist nicht therapierbar, nicht bei Jugendlichen und nicht bei Erwachsenen. Extremer Druck politischer oder religiöser Kräfte erzeugen Scham, die auch Erwachsene dazu bringen, sich schädlichen Konversionstherapien zu unterziehen. Das muss verboten werden!"

Im Hinblick auf die Verleihung der Kompassnadel begrüßten es die beiden Landesverbände, dass queere Emanzipationsbewegungen ihr Recht auf Selbstbestimmung, Religionsfreiheit und Glaube einfordern. "Ausgrenzung aufgrund religiöser Überzeugungen dürfen aber auch in unseren Communities keinen Platz haben." 

In diesem Jahr verleiht das Schwule Netzwerk NRW die Kompassnadel für einzigartiges Engagement für LSBTIQ-Communities zum 20. Mal. Preisträgerin ist die Organisation Keshet Deutschland, eine Initiative junger jüdischer Queers. Keshet bietet in derzeit einzigartigem Umfang eine Plattform für queere Jüd*innen und ihre Lebensrealitäten, und arbeitet daran die Koexistenz von Glaube und LSBTIQ-Identität damit sowohl in jüdischen Gemeinden als auch in der Mehrheitsgesellschaft sichtbarer und selbstverständlicher zu machen. Die bewegende Überreichung der Kompassnadel an die Keshet-Vorstandsmitglieder Dalia Grinfeld, Monty Ott und Leo Shapiro erfolgte in Berlin durch Vorjahrespreisträger Johannes Kram.

"CSD Empfang 2020 – Der Film" ist ab diesem Samstag, 4. Juli 2020, 13 Uhr unter csd-empfang-nrw.de zu sehen.

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