Aktuelle Presseinformation der Aidshilfe NRW

Deutschland geht zu wenig gegen Hepatitis vor
Aidshilfe NRW zum Welt-Hepatitis-Tag

Köln, 26. Juli 2019 – Anlässlich des Welt-Hepatitis-Tags am 28. Juli weist die Aidshilfe NRW darauf hin, dass Drogengebrauchenden als am stärksten von Hepatitis betroffene Gruppe besonders vielen Barrieren im Gesundheitssystem begegnen. Niedrigschwellige, zielgruppenspezifische Beratungs- und Testangebote für HIV und Hepatitis sind in Deutschland nach wie vor rar, der Übergang zur Behandlung erweist sich oft als großer Stolperstein.

Vorbehalte von Mediziner*innen, auch aktiv Drogengebrauchende zu behandeln, sind weit verbreitet, trotz der weithin belegten Erfolge hinsichtlich Effektivität der Therapie und der Mitwirkung der Patient*innen. Noch prekärer ist die Situation in Haft, wo trotz des hohen intravenösen Drogenkonsums und der damit einhergehenden Gesundheitsrisiken kein Zugang zu sterilen Konsumutensilien besteht. Auch der Zugang zur Hepatitis-C-Behandlung ist hier eingeschränkt. Die Behandlungszahlen im Strafvollzug bewegen sich trotz der guten Verträglichkeit der neuen Medikamente und der idealen Behandlungsbedingungen im geschlossenen Haftsetting in NRW nach wie vor im zweistelligen Bereich.

Es gilt also in zahlreichen Handlungsfelder die Anstrengungen wesentlich zu verstärken. Ein erster Schritt ist die Implementierung von niedrigschwelligen Beratungs- und Testangeboten für Drogengebrauchende. „Bund, Länder und Kommunen müssen eng verzahnt zusammenarbeiten, um den flächendeckenden Ausbau solcher Angebote zu gewährleisten“, so Patrik Maas von der Aidshilfe NRW. „Indem Beratung und Test dort stattfindet, wo die Zielgruppe erreicht wird – im niedrigschwelligen Hilfesystem – können wir die richtigen Menschen erreichen, die Diagnoserate erhöhen und die Anbindung an die Behandlung verbessern. Hierzu bedarf es jedoch auch politischen Willens und finanzieller Absicherung. Drogengebrauchende innerhalb und außerhalb der Haftanstalten sind die zentrale Zielgruppe, mit der wir uns beschäftigen müssen, wenn wir das Ziel der HCV-Elimination bis 2030 ernstnehmen“, so Maas.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich im Jahr 2016 das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2030 Hepatitis C als allgemeine Gesundheitsbedrohung zu eliminieren – die 194 Mitgliedsstaaten einschließlich Deutschland haben sich dem angeschlossen. Von diesen Staaten sind aktuell jedoch nur 12 „on track“, werden also im Rahmen aktueller Bemühungen dieses Ziel voraussichtlich erreichen. Deutschland fiel 2018 aus dem Kreis dieser Länder aufgrund zu zögerlicher Diagnostik und zu geringer Behandlungszahlen wieder heraus.

Laut Robert Koch-Institut Jahr wurden im letzten Jahr 5.891 Fälle von erstdiagnostizierter Hepatitis C übermittelt, was einer Inzidenz von 7,1 Diagnosen pro 100.000 Einwohner*innen entspricht. Dies entspricht einem Plus von 32 Prozent gegenüber 2016.In Nordrhein-Westfalen wurden insgesamt 1.321 Erstdiagnosen übermittelt – NRW liegt damit mit 7,4 Erstdiagnosen pro 100.000 Einwohner*innen leicht über dem bundesweiten Durchschnitt und verzeichnet zum dritten Jahr in Folge einen Anstieg der Diagnosen (2016: 798 Erstdiagnosen, 2017: 999 Erstdiagnosen). Nach wie vor der häufigste Übertragungsweg ist injizierender Drogenkonsum (75,5 Prozent der Fälle mit bekanntem Übertragungsweg), gefolgt von der Übertragung durch Blutprodukte (8,5 Prozent), Männern, die Sex mit Männern haben (MSM; 6,3 Prozent) und injizierendem Drogenkonsum in Haft (4,5 Prozent).

Der Welt-Hepatitis-Tag ist ein internationaler Aktionstag. Im Jahr 2010 erkannte die WHO-Hauptversammlung Virushepatitis mit einer Resolution als globale Gesundheitsbedrohung an. Seit 2011 wird der Welt-Hepatitis-Tag als offizieller Gesundheitstag der WHO am 28. Juli durchgeführt. Dieses Jahr lautet das Motto des Welt-Hepatitis-Tages erneut „Hepatitis: Findet die fehlenden Millionen!“. Im Fokus steht die Herausforderung, die noch unentdeckten Patient*innen zu finden, um diese frühzeitig zu behandeln, vor Spätfolgen zu bewahren und Neuinfektionen einzudämmen.

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