2019-12-16: Falsche Interpretation von Zahlen führt in die Irre

PrEP und GeschlechtskrankheitenDie Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete heute über eine Meta-Studie zum Zusammenhang von PrEP und Geschlechtskrankheiten, in der 88 Einzelstudien zusammengefasst wurden. Darin hat sich allerdings ein gravierender Fehler eingeschlichen.

Im dpa-Text heißt es: "Während bei der Eingangsuntersuchung zu PrEP bei 23,9 Prozent der Patienten Tripper, Chlamydien oder Syphilis diagnostiziert wurden, stieg die Anzahl der Erkrankungen innerhalb des ersten Jahres der Nutzung von PrEP auf 72,2 Prozent." Das lässt sich allerdings aus den Daten nicht herauslesen. Die 23,9 Prozent Prävalenz bei der Eingangsuntersuchung besagen nur, dass ein knappes Viertel bei Studienbeginn aktuell eine Geschlechtskrankheit (STI) hatte, also zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die 72,2% bedeuten, dass knapp drei Viertel der Teilnehmer im Laufe eines Jahres unter PrEP mindestens einmal eine STI hatte, also in einem längeren Zeitraum. Wie viele ohne PrEP eine Geschlechtskrankheit gehabt hätten, bleibt dabei völlig offen.

Diese Zahlen geben also verschiedene ganz Sachverhalte wieder (Prävalenz versus Inzidenz). Sie in Verbindung zueinander zu bringen, hieße Äpfel und Birnen vergleichen. Schon gar nicht kann man sagen, dass aus 23,9 Prozent 72,2 wurden. Ein Anstieg lässt sich aus diesen Zahlen nicht herleiten, weil sie dazu prinzipiell nicht geeignet sind.

Zur Erklärung: Sehr klar wird durch die relativ hohe Zahl der STI-Infektionen in dieser Meta-Studie, dass Menschen mit hohem Risiko für sexuell übertragbare Infektionen die PrEP erhielten, also diejenigen, für die sie vor allem gedacht ist. Viele davon haben auch vorher nicht immer Kondome benutzt, hatten also schon vor der PrEP ein erhöhtes Risiko, sich mit einer Geschlechtskrankheit zu infizieren.

Ob oder wie stark Menschen vom Kondom auf PrEP umgestiegen sind und damit ein höheres Risiko hatten als vorher, lässt sich aus dieser Studie nicht ablesen. Für eine solche Aussage bräuchte man ein ganz anderes Studiendesign.

Sicher ist jedoch, dass Menschen mit einem hohen Risiko durch die PrEP vor HIV geschützt waren. Es wäre fatal, wenn diese falsch interpretierten Daten verwendet würden, um die PrEP an sich Frage zu stellen. Die PrEP verhindert viele HIV-Infektionen und ist ein wichtiger Bestandteil der deutschen HIV-Prävention. 

Dazu gehört natürlich immer die Botschaft, dass regelmäßige Checks auf Geschlechtskrankheiten für Nutzer von kondomlosen Schutzmethoden besonders wichtig sind.

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