2018-01-29: Seit zehn Jahren bekannt: Unter Therapie keine HIV-Übertragung möglich

Schutz durch Therapie wirkt!Die Veröffentlichung war eine Sensation, ein Tabubruch, der Beginn einer heftigen Debatte: Am 30. Januar 2008 platzierte die Eidgenössische Kommission für Aids-Fragen (EKAF) in der Schweizerischen Ärztezeitung einen Text, der als "Swiss-Statement" in die Medizingeschichte einging. Die zentrale Aussage: HIV ist unter einer gut wirksamen Therapie beim Sex nicht übertragbar.

Die HIV-Spezialisten um den Infektiologen Pietro Vernazza wollten damit HIV-Positiven wie HIV-Negativen Ängste nehmen und Menschen mit HIV ein "weitgehend 'normales' Sexualleben ermöglichen."

Sie beriefen sich dabei auf Grundlagenforschung und Studien zur HIV-Übertragung in Partnerschaften. Dafür wurden sie von einigen gefeiert, von anderen scharf angegriffen: Für HIV-positive Menschen und ihre Partner*innen war die Aussage eine große Entlastung. Kritiker bezweifelten die Verlässlichkeit.

Zehn Jahre später haben Studien klar bewiesen: Die Schweizer hatten Recht. "Schutz durch Therapie" ist längst eine anerkannte Safer-Sex-Strategie: Schutz vor HIV besteht unter bestimmten Bedingungen (HIV über sechs Monate nicht mehr im Blut nachweisbar, regelmäßige Einnahme der Tabletten) auch ohne Kondom.

In den Studien kam es weltweit unter gut wirksamer HIV-Therapie zu keiner einzigen Übertragung – bei Zigtausenden kondomlosen Kontakten in gemischt HIV-positiv-negativen Paarbeziehungen. Eine frühzeitige Behandlung von Menschen mit HIV wird heute weltweit als wichtiges Mittel zur Vermeidung weiterer Übertragungen betrachtet.

Doch dieses Wissen haben noch immer nur 10% der Bevölkerung. Das brachte Ende 2017 eine repräsentative Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ans Licht. Zugleich haben viele Menschen sogar immer noch irrationale Ängste vor einer Übertragung im Alltag (über Geschirr, Toiletten oder auch nur eine Umarmung) – die schon immer völlig unmöglich war.

Für die Aidshilfen offenbaren diese Erkenntnisse großen Handlungsbedarf. Das Wissen, dass HIV unter Therapie nicht übertragbar ist, kann Infektionsängste nehmen und damit auch Zurückweisung von HIV-positiven Menschen im Alltag verhindern. Die HIV-Prävention in Deutschland muss diese entlastende Information offensiver in die Öffentlichkeit tragen als bisher.

(DAH)

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