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2017-10-21: Mitgliederversammlung der Aidshilfe NRW in Wuppertal

Mitgliederversammlung der Aidshilfe NRWAn diesem Wochenende trafen sich Delegierte der Mitgliedsorganisationen der Aidshilfe NRW zur jährlichen Mitgliederversammlung in Wuppertal. Von den insgesamt 43 Vereinen, die dem Verband angehören, darunter 32 regionale Aidshilfen sowie Selbsthilfevereine aus der HIV-Prävention, Drogenarbeit und schwulen Emanzipation, waren mehr als die Hälfte vertreten. Zu Beginn begrüßte Landesvorsitzender Arne Kayser den Remscheider Landtagsabgeordneten Sven Wolf, der seit vielen Jahren der Aidshilfe NRW verbunden ist und ein Grußwort an die Delegierten richtete.

Wolf betonte zunächst das große Engagement der regionalen AIDS-Hilfe Wuppertal im Bereich der Prävention, Beratung und Betreuung nicht nur in Wuppertal, sondern auch in Remscheid und Solingen. Sie ist eine wichtige Anlaufstelle für alle, die sich über HIV und STIs informieren wollen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen und die Rat und Unterstützung aufgrund ihrer HIV-Infektion suchen. Auch die in der Gesellschaft am Rand stehenden, Drogen-User*innen und auch Inhaftierte, werden betreut und unterstützt. Mit der Aidshilfe NRW hat Wolf auf Landesebene bereits einiges erreichen können, wenn Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen mit HIV angeprangert und beseitigt werden mussten. Das betraf beispielsweise die Offenbarungspflicht von HIV-positiven Inhaftierten bei Umschluss und Gemeinschaftsaktivitäten im Gefängnis, die als völlig unsinnig herausgestellt und schließlich abgeschafft werden konnte.

Abschließend bekannte sich Wolf zur Realisierung der 90-90-90-Ziele der Weltgesundheitsorganisation WHO. Damit bis 2030 niemand mehr an Aids erkranken muss, sollen bis 2020 90 Prozent aller Menschen mit HIV eine HIV-Diagnose bekommen haben. 90 Prozent der Menschen mit einer HIV-Diagnose sollen eine lebensrettende antiretrovirale Therapie machen. Und 90 Prozent der Menschen unter einer HIV-Therapie sollen eine Viruslast unter der Nachweisgrenze haben, sodass HIV dann auch beim Sex nicht mehr übertragen werden kann. Und das ohne jede Diskriminierung. Wolf betonte, dass hier Politik, Verwaltung und die Selbsthilfeorganisationen Hand in Hand wirken müssten, um diese Ziele in Deutschland zu erreichen.

Im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung standen neben den üblichen Regularien ein ausführlicher Bericht des Landesvorstands über die Schwerpunkte und Aktivitäten der Aidshilfe NRW im zurückliegenden Jahr. Insbesondere der Verbandstag „Wir können mehr!“ und die Präsenz vieler Aktivisten beim Cologne Pride und anderen CSD-Veranstaltungen landesweit sowie zahlreiche Lobbytermine mit der Landespolitik waren für den Landesverband wichtige Ereignisse.

Daneben sah die Tagesordnung zwei Themenschwerpunkte vor: die Hotline für die vom §175 Betroffenen und die neuen HIV-Selbst- und Einsendetests. Marcus Velke von der Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren (BISS) berichtete von den Anrufen, die bei der Hotline eingegangen sind. Darüber haben sich inzwischen 42 Kontakte mit Männern zwischen 54 und 92 Jahren. 13 von ihnen hatten eine Haftstrafe zu verbüßen, 12 waren zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt worden, neun mussten zum Teil hohe Geldstrafen zahlen, fünf wurden zu Jugendarrest verurteilt und zwei zwangstherapiert. Marcus Velke bietet den Anrufern Rat und Hilfestellung bei der Beantragung von Rehabilitationen und Wiedergutmachungen an.

Michael Tappe von der Deutschen AIDS-Hilfe (aidshildfe.de) stellte aktuelle Entwicklungen bei Selbst- und Einsendetests zur Ermittlung von HIV und anderen STI vor. Der HIV-Selbsttest, der beispielsweise in Frankreich zugelassen und in Apotheken erhältlich ist, sollte eigentlich schon im Herbst auch in Deutschland auf den Markt kommen. Das wird jetzt 2018 geschehen und die Aidshilfen werden nicht umhinkommen, dieses neue Instrument in ihre Beratung einzubeziehen. Das gilt auch für die Home-Sampling-Tests, das sind Einsendetests zur Ermittlung von STIs. Hier steht ein Testprojekt der Münchner AIDS-Hilfe unmittelbar bevor. In einer Open-Space-Runde diskutierten die Delegierten über Möglichkeiten, Widerstände, Chancen und Weiterentwicklungspotential. Fazit war, dass sich die Präventions- und Beratungsteams der Aidshilfen selbstverständlich den neuen Methoden öffnen und sie diese offensiv in ihre Arbeit einbeziehen würden.