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2015-11-27: WHO-Region Europa: Höchststand bei HIV-Infektionen - WHO und ECDC rufen die europäischen Länder zum Handeln auf

European Center for Disease Prevention and ControlÜber 142.000 Mal gab es 2014 in der Europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation die Diagnose „HIV-positiv“ – die höchste Zahl seit Beginn der Zählung in den 1980er-Jahren. Dies teilten das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und das WHO-Regionalbüro für Europa heute in einer gemeinsamen Pressemitteilung zur Veröffentlichung ihres HIV/Aids-Berichts 2014 mit.

Von den 142.000 HIV-Neudiagnosen entfielen laut diesem Bericht allein etwa 85.000 auf die Russische Föderation, während es in der EU und dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) gut 30.000 HIV-Diagnosen gab. Die am häufigsten angegebenen Übertragungswege in der EU und dem EWR waren Sex zwischen Männern (42 Prozent), Sex zwischen Männern und Frauen (33 Prozent) sowie injizierender Drogengebrauch (4 Prozent). Bei 20 Prozent der Diagnosen wurde kein Übertragungsweg angegeben oder er war nicht bekannt.

Die ECDC-Geschäftsführerin Andrea Ammon sagte, die Maßnahmen zur HIV-Bekämpfung seien offenbar nicht ausreichend effektiv gewesen, um einen spürbaren Rückgang der HIV-Infektionsraten zu bewirken. Als besorgniserregende bezeichnete sie den Anstieg der Infektionen bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) – ihr Anteil an den Diagnosen sei von 30 Prozent im Jahr 2005 auf 42 Prozent im Jahr 2014 gestiegen. „Europa muss seine Anstrengungen verstärken, um diese Gruppe zu erreichen“, so Ammon. Dazu gehöre auch die Prüfung neuer Strategien wie der Präexpositionsprophylaxe gegen HIV.

Als eine weitere vorrangige Zielgruppe der HIV-Prävention bezeichnete die WHO-Regionaldirektorin für Europa, Dr. Zsuzsanna Jakab, Flüchtlinge und Migranten. Zwar sei die Zahl der HIV-Diagnosen bei Migranten in der Europäischen Region in den letzten Jahren erheblich gesunken, doch gebe es Hinweise darauf, dass sich ein erheblicher Teil von ihnen erst nach der Ankunft in Europa infiziere. „Wenn Flüchtlinge und Migranten sozialer Ausgrenzung ausgesetzt sind, haben sie ein erhöhtes Risiko einer HIV-Infektion“, so Jakab. Dieses Risiko werde durch einen unzureichenden Zugang zu Angeboten im Bereich HIV sowie durch die Angst vor Stigmatisierung verschärft. „Wir bei der WHO fordern alle Länder der Europäischen Region eindringlich auf, allen Flüchtlingen und Migranten unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus Zugang zu den benötigten Leistungen im Bereich der HIV-Prävention sowie der Untersuchung und Behandlung zu gewähren“, sagte die WHO-Regionaldirektorin.

Testangebote müssen ausgebaut werden, um früher diagnostizieren und behandeln zu können. Laut ECDC und WHO Europa wird fast die Hälfte der HIV-Infektionen in der Europäischen WHO-Region erst spät diagnostiziert, wenn das Immunsystem schon stark geschädigt ist – zwei Drittel der im Jahr 2014 gemeldeten Aids-Diagnosen wurden zeitgleich mit oder nur kurz nach der HIV-Diagnose gestellt. Erforderlich sei daher eine Ausweitung von Testangeboten sowie der Unterstützung durch geschulte Laien, um frühere Diagnosen und einen früheren Behandlungsbeginn zu ermöglichen. Dies verhindere nicht nur Erkrankungen, sondern senke auch das Risiko von HIV-Übertragungen.

In Deutschland haben sich im letzten Jahr laut Robert Koch-Institut schätzungsweise 3.200 Menschen mit HIV infiziert, etwa so viele wie 2013. Nach wie vor betreffen rund drei Viertel der Neuinfektionen Männer, die Sex mit Männern haben. Heterosexuelle machen etwas mehr als 18 Prozent aus, gut 7 Prozent der Neuinfektionen entfallen auf Menschen, die sich Drogen injizieren.

Die Zahl der Menschen, die nichts von ihrer HIV-Infektion wissen, liegt in Deutschland zurzeit bei etwa 13.200, und jährlich erfahren mehr als 1.000 Menschen erst dann von ihrer Infektion, wenn sie bereits schwer krank sind.

"Rekordzahl neuer HIV-Fälle in der Europäischen Region gemeldet": Pressemitteilung der ECDC und des WHO-Regionalbüros für Europa vom 26.11.2015

ECDC/WHO Regional Office for Europa: „Surveillance Report: HIV/AIDS surveillance in Europe 2014“ (PDF-Datei in englischer Sprache)