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2015-11-18: HIV-Coming-out von Charlie Sheen könnte zur Akzeptanz beitragen

Charley Sheen outet sich auf NBCDer US-Schauspieler Charlie Sheen hat gestern in der Today Show des Senders NBC öffentlich über seine HIV-Infektion gesprochen. Nach langen Spekulationen in den Medien wagte er damit den Schritt in die Öffentlichkeit. Wir begrüßen seinen Mut und sein Selbstbewusstsein und wünschten uns mehr Prominente, die öffentlich zu ihrer HIV-Infektion oder einer anderen chronischen Erkrankung stehen würden. Das würde die Akzeptanz von Menschen mit HIV oder anderen chronisch Kranken in der Gesellschaft erhöhen. Sheen sagte, er wolle damit anderen Mut machen, offen über ihre HIV-Diagnose zu sprechen.

Das positive Coming-out Sheens scheint aber nicht ganz freiwillig gewesen zu sein. Er berichtete in der Morgensendung, er habe bisher einigen Menschen insgesamt Millionen Dollar Schweigegeld gezahlt. „Heute habe ich mich selbst aus diesem Gefängnis befreit“, sagte er. Dass der US-Schauspieler offenbar zu seinem Outing gedrängt wurde, ist inakzeptabel. Jeder hat das  Recht, selbst zu entscheiden, wem er von seiner Infektion erzählt, unabhängig von Prominentenstatus und Lebensstil.

Dies zeigt, wie stark HIV noch immer stigmatisiert ist. Auch die Häme und die Schuldzuweisungen in sozialen Netzwerken sprechen Bände. Zugleich ergreifen aber auch viele Menschen für Sheen Partei und stärken ihm den Rücken. Dabei verbieten sich jegliche moralischen Urteile. Dass ein Hollywood-Star jetzt offen über seine HIV-Infektion spricht, kann der Öffentlichkeit ein anderes Bild vom Leben mit HIV vermitteln, dass man auch mit HIV gut leben kann.

Alle Spekulationen, Sheen könnte andere Menschen mit HIV infiziert haben, sind unzulässig. Der Schauspieler wies sie zurück. Er habe für Schutz gesorgt, außerdem jedem, mit dem er seit der Diagnose Sex hatte, von seiner Infektion erzählt. Zudem sind nicht nur Menschen mit HIV, sondern auch HIV-Negative für den Schutz vor einer HIV-Übertragung verantwortlich.

Die Kriminalisierung von HIV-Übertragungen verhindert keine Infektion, darauf machen schon seit langem die Aidshilfen in Deutschland aufmerksam. Kriminalisierung macht es auch nicht einfacher, offen mit HIV zu leben. Sie schiebt die Verantwortung beim Sex allein auf die Menschen mit HIV und lässt vergessen, dass jeder sich um seinen eigen Schutz sorgen muss. Natürlich richten die Aidshilfen ihre Prävention darauf aus, dass Menschen Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Bei einvernehmlichem Sex hat aber keiner der Partnerinnen und Partner eine höhere Verantwortung als die oder der andere. Verantwortung ist nicht teilbar. Es kann nicht sein, Menschen mit HIV vorzuverurteilen und als kriminell abzustempeln, wenn es um die Übertragung von HIV geht!