Termine

Hier finden sie alle Termine und Aktivitäten der nächsten Wochen » mehr

Adressen


Print

2015-07-08: Das Robert-Koch-institut meldet einen Anstieg der HIV-Neudiagnosen für das Jahr 2014

Für das Jahr 2014 wurden dem Robert-Koch-Institut 3.525 HIV-Neudiagnosen gemeldet. Dieser im Vergleich zum Vorjahr siebenprozentige Anstieg sagt jedoch nichts über aktuelle Infektionszahlen in Deutschland aus! Dies ist dem aktuellen Epidemiologischen Bulletin des RKI vom 6. Juli 2015 zu entnehmen.

Die Zahl der Neudiagnosen darf nicht gleichgesetzt werden mit der Zahl der Neuinfektionen. Die Zahl der Neudiagnosen gibt lediglich die Zahl derjenigen Menschen an, die erstmals positiv auf HIV getestet wurden. Bei den meisten liegt der Infektionszeitpunkt (mehrere) Jahre zurück.

Von den insgesamt 3.525 HIV-Neudiagnosen entfallen 2.864 auf Männer(+ 6 Prozent) und 659  auf Frauen (+ 11 Prozent). Zwei Diagnosen lassen sich keinem Geschlecht zuordnen. Betrachtet man die unterschiedlichen Gruppen, so steigt die Zahl der Neudiagnosen bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) um 8,6 Prozent auf 1.904, bei Heterosexuellen um 30,4 Prozent auf 780 und bei Drogen gebrauchenden Menschen um 10 Prozent auf 111 Neudiagnosen an. Die Anzahl der Neudiagnosen ohne Angabe zum Übertragungsweg ging um 13,6 Prozent auf 705 zurück.

Der Anstieg der gemeldeten Neudiagnosezahlen ist teilweise durch eine verbesserte Datenerhebung begründet: Verstärkte Nachfragen bei Arztpraxen und Laboren ermöglichen dem RKI, mehr HIV-Diagnosen als sichere Erstdiagnosen einzustufen. Auch wenn es bei einigen Fällen unklar ist, ob es sich um eine erstmals festgestellte HIV-Infektion handelt oder um eine Kontrolluntersuchung eines bereits gemeldeten Falls, so nimmt diese Zahl jedoch kontinuierlich ab und die Zahl der gesicherten Neudiagnosen entsprechend zu.

Des Weiteren können andere Faktoren, wie beispielsweise Testverhalten oder Testangebote, die Zahl der Neudiagnosen beeinflussen. Daten zu einer bundesweiten Beurteilung von HIV-Testhäufigkeit liegen jedoch nicht vor.

Allerdings erklärt dies nur zum Teil den Anstieg der Neudiagnosen. Nach Einschätzung des RKI wurden im Jahr 2014 tatsächlich mehr Menschen erstmals HIV-positiv getestet als in den vergangen Jahren.

Das HIV-Infektionsgeschehen in Deutschland wird nach wie vor durch die Entwicklung bei MSM geprägt. Der größte Teil der HIV-Infektion bei MSM wird in Deutschland erworben und der größte der Teil der HIV-positiven MSM ist deutscher Herkunft. Ein Teil des hier beobachteten Anstiegs der Neudiagnosen könnte auf eine verbesserte Meldequalität zurückzuführen sein. Jedoch ist die Zunahme, gerade in den Bundesländern Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen alleine dadurch nicht erklärbar. Hier nahm die Zahl der HIV-Neudiagnosen bei MSM real zu.

Die Analyse der Meldezahlen der Gruppe MSM zeigte außerdem, dass die Zahl der HIV-Neudiagnosen vor allem im ländlichen Bereich und in Großstädten mit weniger als einer Million Einwohnern zunahm. Dies könnte als Hinweis darauf gewertet werden, dass MSM durch die neuen Medien und Kommunikationsmöglichkeiten wie Internet, Smartphone, Dating-Apps, etc. besser untereinander vernetzt werden und daher die Infektionszahlen und infolgedessen die HIV-Meldezahlen in diesen eigentlich szenefernen Regionen steigen. Doch auch hierzu gibt es keine gesicherten Daten.
Bei MSM wurde häufiger ein letzter negativer Test, insbesondere ein letzter negativer Test innerhalb der letzten 23 Monate berichtet. Dies deutet darauf hin, dass viele MSM sich entweder ihres Risikos bewusst sind und Testangebote wahrnehmen oder sich an die Empfehlung halten, sich regelmäßig testen zu lassen. Dass ein negatives Testergebnis zu Verhaltensänderungen führt, ist nach bisheriger Studienlage nicht zu erwarten.

Die Zahl der HIV-Neudiagnosen bei Heterosexuellen hat zugenommen. Hier ist jedoch der Anteil der Personen nicht-deutscher Herkunft, vor allem aus Subsahara-Afrika, zu beachten. Steigende Einwanderungs- bzw. steigende Flüchtlingszahlen aus Ländern mit hoher HIV-Prävalenz scheinen sich in den deutschen HIV-Meldedaten abzuzeichnen. Die meisten der in diesem Zusammenhang festgestellten HIV-Infektionen wurden im Herkunftsland erworben. Wichtig ist, dass auch diese Menschen hier in Deutschland Zugang zu angemessener Beratung und Therapie erhalten.

Bei intravenös Drogen gebrauchenden Menschen ist deutschlandweit, im Gegensatz zu Nordrhein-Westfalen, die Zahl der Neudiagnosen ebenfalls leicht angestiegen. Bemerkenswert ist hier, dass diese Gruppe einen Zuwachs von Menschen mit Herkunftsangabe Osteuropa aufweist, während die Zahl derer mit deutscher Herkunft leicht rückläufig ist.

Neben den 3.525 gesicherten HIV-Neudiagnosen wurden dem RKI im Jahr 2014 weitere 855 HIV-Diagnosen gemeldet, bei denen nicht bekannt ist, ob es sich um tatsächlich um Neudiagnosen handelt. Hier muss jedoch neben Mehrfachdiagnosen auch ein Anteil von Neudiagnosen vermutet werden. Daher stellt die Angabe der 3.525 HIV-Neudiagnosen die untere der tatsächlichen HIV-Neudiagnosen dar.

Ob auch die Zahlen der Neu-Infektionen in den jeweiligen Gruppen gestiegen ist, lässt sich erst im November 2015 beantworten, dann wird das RKI auf weiteren Berechnungen die Schätzung der HIV-Neu-Infektionszahlen veröffentlichen.

Weitere Informationen finden Sie im Epidemiologisches Bulletin 27/2015.