2014-10-08: Runder Tisch Prostitution legt Abschlussbericht vor

Foto: Maria Vaorin / photocase.deMit der Übergabe seines Abschlussberichtes an Ministerin Barbara Steffens hat der "Runde Tisch Prostitution NRW" im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen seine Tätigkeit beendet. Darin fordern die Fachleute aus Wissenschaft, Politik und Praxis eine Stärkung der Rechte von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern. Der rund 100 Seiten starke Bericht dokumentiert die umfassende Aufarbeitung der Thematik, enthält Positionierungen zu politisch umstrittenen Fragen sowie Empfehlungen. Dabei beleuchtet er verschiedenste Formen der Prostitution und widmet den dynamischen Veränderungen des Marktes besondere Aufmerksamkeit.

Vier Jahre lang hat der Runde Tisch beraten. Die Expertinnen und Experten, darunter Vertreter von Ministerien, Beratungsstellen, dem Landeskriminalamt, der Aidshilfe NRW und den Kommunen, sprechen sich darin dafür aus, die Stigmatisierung der Prostituierten, aber auch ihrer Kunden abzubauen.

"Prostitution lässt sich nicht verbieten, und Prostitution ist auch kein Beruf wie jeder andere. Aber wer diese Tätigkeit ausüben will, soll dies unter rechtsstaatlichen und menschenwürdigen Bedingungen tun können", erklärte Ministerin Steffens bei Entgegennahme des Berichts. "In bundesweit bisher einzigartiger Weise hat der Runde Tisch zum Thema Prostitution einen Fundus an Wissen zusammengetragen, der nicht zuletzt in der gegenwärtigen Debatte um eine Reform des Prostitutionsgesetzes wichtige Impulse geben kann. Klar ist: Durch Stigmatisierung und Verbote werden vorhandene Probleme nicht gelöst. Notwendig ist eine sehr differenzierte Auseinandersetzung", so Steffens weiter.

Bordelle und bordellähnliche Betriebe sollten allerdings reguliert werden, um Mindeststandards bei Hygiene und Arbeitsbedingungen sicherzustellen, betonte die Leiterin des Gremiums, Ministerialdirigentin Claudia Zimmermann-Schwartz. Der Runde Tisch Prostitution will damit auch Impulse für die von der Bundesregierung geplante Reform des umstrittenen Prostitutionsgesetzes von 2002 liefern. Die in der Neufassung vorgesehene Anmeldepflicht für Prostituierte etwa lehnt der Runde Tisch ebenso ab wie eine Heraufsetzung des Mindestalters für Sexarbeiterinnen auf 21 Jahre.

Auch eine Kondompflicht ist laut Bericht "epidemiologisch kaum zu begründen". Darüber hinaus fehlten angemessene Kontrollmöglichkeiten. Stichprobenartige Kontrollen durch zivile Beamte, die sich, wie in München praktiziert, als Freier ausgeben, seien nicht sinnvoll. "Sie treffen nur die Sexarbeiterinnen, nicht die Kunden, und untergraben das zur Bekämpfung der Begleitkriminalität notwendige Vertrauen zwischen Polizei und Prostituierten", argumentieren die Fachleute. Angeregt wird stattdessen ein Werbeverbot für ungeschützten Sex.

Für die häufig vertretene These, der Menschenhandel habe mit dem rot-grünen Gesetz von 2002 zugenommen, konnte der Runde Tisch keine Belege liefern, erklärte Zimmermann-Schwartz. Sie kritisiert allerdings, dass der Markt ohne jede soziale Grenzen und Regulierungen freigegeben worden sei. Dies habe zu teilweise unhaltbaren und unwürdigen Zuständen geführt, darunter etwa Flatrate-Bordelle oder auch Großbordelle. "Zahlreiche Mythen, Klischees und Vorurteile, die wir alle zu Prostitution im Kopf haben, stehen einer unvoreingenommenen Befassung mit der Thematik entgegen. Das wurde auch uns am Runden Tisch erst nach und nach bewusst", berichtete die Leiterin des Runden Tisches, Claudia Zimmermann-Schwartz. "Deshalb fiel es mir als Abteilungsleiterin Frauenpolitik zunächst nicht leicht, Bordellbetreiber anzuhören oder auch Freier dazu einzuladen. Es ging uns aber darum, eine wissensbasierte ethische Debatte zu führen und nicht über Menschen zu sprechen, sondern mit ihnen", so Zimmermann-Schwartz.

Der Runde Tisch wurde auf Beschluss der Landesregierung vom 14. Dezember 2010 eingerichtet und tagte insgesamt in 14 Sitzungen. Den vollständigen Bericht finden Sie unter mgepa.nrw.de.

Termine

Hier finden Sie alle Termine und Aktivitäten der nächsten Wochen:

Termine ansehen

Adressen

Hier finden Sie die Adressen unserer Mitgliedsorganisationen:

Adressen finden

Newsletter

Möchten Sie unseren Newsletter abonnieren? Dann finden Sie hier mehr:

Newsletter abonnieren