2014-07-21: Bundesweiter Gedenktag für verstorbene Drogen Gebrauchende

Bundesweiter Gedenktag für verstorbene Drogen Gebrauchende

Zum Nationalen Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige rufen in diesem Jahr wieder der Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit, JES Bundesverband und Landesverband JES NRW, Deutsche AIDS-Hilfe und akzept e.V.- Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik gemeinsam auf. In Deutschland war 2013 mit 1002 Verstorbenen erstmals seit Jahren wieder ein Anstieg der Zahl von Drogentoten zu beklagen. Ein Grund mehr, sich für Überlebenshilfen einzusetzen. In diesem Jahr liegt der Fokus des bundesweiten Protest-, Aktions- und Trauertags auf drei wichtigen Instrumenten, die den Drogentod verhindern und ein menschenwürdiges Überleben ermöglichen können: die Drogenkonsumräume, die Substitution und das Naloxon!

Drogenkonsumräume sind Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitssystems. Sie verhindern Todesfälle und reduzieren körperliche, psychische und soziale Begleiterscheinungen des Konsums illegaler Drogen. Hervorzuheben ist, dass sie bei der bestehenden Gesetzeslage (Prohibition) die Heranführung an Hilfesysteme ermöglichen.  

Substitution ist die medizinische Behandlung suchtkranker Menschen mit Ersatzstoffen. Die Behandlung erfolgt mit gesetzes- und richtlinienkonform zu verordnenden Medikamenten. Sie verfolgt das Ziel, den Gesundheitszustand und die soziale Situation der Patientinnen und Patienten zu verbessern und gleichzeitig Schaden von der Gesellschaft abzuwenden. Die Medikamente werden exakt dosiert und enthalten keine Verunreinigungen. Komplikationen intravenösen Drogenkonsums wie Spritzenabszesse, die Übertragung von Hepatitis C und B und HIV können so vermieden werden. Außerdem werden die regelmäßigen Patientinnen und Patienten zur Auseinandersetzung mit ihrem Gesundheitszustand angeregt.

Naloxon ist ein Medikament aus der Notfallmedizin. Es rettet Leben, indem es gegen Atemlähmung und Bewusstlosigkeit bei einer Überdosis mit Opiaten wirkt. Es kann relativ einfach verabreicht werden und hat keine berauschende Wirkung. Es ist aber verschreibungspflichtig, so dass es bislang im entscheidenden Moment meist nicht verfügbar ist.

Da durch die Illegalisierung von Drogenbesitz der Zugang zu diesen hilfreichen Instrumenten sehr hochschwellig ist, nimmt die Kritik am Betäubungsmittelgesetz zu. Denn ohne das Verbot wären viele der heutigen Notmaßnahmen gar nicht nötig, weil Qualität, Dosierung, Einnahme und Unfälle im Zusammenhang mit dem Konsum direkter Kontrolle unterstünden. Die Illegalisierung fördert kriminelles und riskantes Handeln. Erst im November letzten Jahres schickten 122 Strafrechtsprofessorinnen und Strafrechtsprofessoren eine Resolution an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, um die Wirksamkeit des Betäubungsmittelgesetzes überprüfen zu lassen. Diesem Aufruf schlossen sich inzwischen die Neue Richtervereinigung sowie die Vereinigung Hessischer Strafverteidiger an. Die Juristinnen und Juristen weisen den Gesetzgeber auf die unbeabsichtigten schädlichen Nebenwirkungen und Folgen der Kriminalisierung bestimmter Drogen (Prohibition) hin. Das Parlament möge diesbezüglich endlich den wissenschaftlich begründeten Prinzipien von Strafgesetzgebung und Kriminalpolitik Rechnung tragen.

Die Schirmherrschaft über den Drogentotengedenktag in diesem Jahr hat der Bundestagsabgeordnete Dr. Harald Terpe übernommen.

Die Aidshilfe NRW hat am vergangenen Mittwoch zusammen mit Vision e.V. und akzeptNRW die Fachveranstaltung “Naloxon rettet Menschenleben – Naloxonvergabe und Drogennotfalltraining für Drogengebraucher“ durchgeführt. Am heutigen Montag, dem Nationalen Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige finden in ganz NRW weitere Veranstaltungen statt. Eine Aufstellung finden Sie hier (PDF-Datei).

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