Termine

Hier finden sie alle Termine und Aktivitäten der nächsten Wochen » mehr

Adressen


Print

2014-03-27: Jahresempfang der Aidshilfe NRW

Landesvorsitzender Arne Kayser begrüßt die Gäste des JahresempfangsDer Streik im Öffentlichen Personennahverkehr konnte die vielen Gäste aus Aidshilfe und Politik, Positivenselbsthilfe und Verbandswesen nicht abhalten, am gestrigen Donnerstagabend pünktlich im Düsseldorfer Maxhaus zu erscheinen. Wie in jedem Frühjahr hieß der Landesvorstand der Aidshilfe NRW jede und jeden einzelnen willkommen.

Neben Gesundheitsministerin Barbara Steffens waren nach einem langen Plenartag noch zahlreiche Landtagsabgeordnete nahezu aller Fraktionen gekommen. Landesvorsitzender Arne Kayser begrüßte darüber hinaus Manuel Izdebski und Carsten Schatz vom Bundesvorstand und Silke Klumb, die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen AIDS-Hilfe, Vertreterinnen des Paritätischen NRW, den Patientenbeauftragten der Landesregierung, Dirk Meyer, der auch Ehrenmitglied der Aidshilfe NRW ist, sowie die Kuratoriumsmitglieder Arndt Klocke, Elke Slawski-Haun und Claus Vinçon. Ford-Vorstand Rainer Ludwig und Dieter Mitrenga, Vorsitzender der Landeskommission AIDS, waren gekommen, um mit Alexandra Frings und Holger Menze, beide offen HIV-positiv, und der Ministerin auf der Bühne zu diskutieren. Vgl. dazu unter ahnrw.de.

Zuvor berichtete Arne Kayser von den jetzt vorliegenden zuversichtlich stimmenden ersten Ergebnissen der PARTNER-Studie, an der 1110 serodiskordante Paare in ganz Europa teilnehmen. Kein HIV-Infizierter, der wirksam therapiert wurde, steckte seinen Partner beim Sex ohne Kondom an. Diese Studie bestätigt die von der Aidshilfe NRW kommunizierte Erkenntnis, dass Menschen mit HIV unter der Nachweisgrenze nicht infektiös sind. Im Einzelfall kann dieses Ergebnis den Partnern bei ihrer Entscheidung helfen, ob sie beim Sex auf das Kondom verzichten wollen oder nicht. Das ist eine große Beruhigung für viele. Die Aidshilfe sieht sich darin bestätigt, dies nicht nur in der persönlichen Beratung, sondern auch in der öffentlichen Kommunikation anzusprechen.

Kayser erinnerte auch an die Menschen mit HIV, die einer besonderen Versorgung bedürfen. HIV und seine Begleiterkrankungen bedürften an sich keiner besonderen Pflegeleistung. Die Pflege könnte im Grunde von jedem ambulanten Pflegedienst übernommen werden. Aber um die zum größten Teil schwulen Männer und auch Drogen gebrauchenden Menschen zuhause zu pflegen, bedürfe es einer akzeptierenden und sensiblen Zuwendung, die leider immer noch nicht selbstverständlich ist. Unverständnis und Uninformiertheit über die Lebensweise und über die HIV-Infektion führten oft zu Irritation, zu Distanz, nicht selten zu Ablehnung und Stigmatisierung. Die Pflege von Menschen mit HIV erfordert also eine Akzeptanz, die leider nicht bei jedem Pflegedienst zur Unternehmenskultur zählt. Hierauf wird die Aidshilfe NRW zukünftig ihr besonderes Augenmerk richten und sich mit den Bündnis- und Kooperationspartnern abstimmen und auf eine gemeinsame Strategie verständigen.

Abschließend verwies der Landesvorsitzende auf das Urteil des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt vom 19. Dezember 2013, mit dem der Kündigungsschutz für HIV-positive und andere chronisch erkrankte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gestärkt wurde. Das Gericht führte aus, dass die HIV-Infektion die Merkmale einer Behinderung erfüllt und damit das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) auch für Menschen mit HIV Anwendung findet. Demnach ist eine Kündigung aufgrund einer HIV-Infektion – auch während der Probezeit – diskriminierend und somit unzulässig. Bislang war unklar, ob eine chronische Krankheit in den Schutzbereich der Behinderung fällt. Dies ist nun gerichtlich geklärt. Kayser erklärte, dass die HIV-Infektion bei den meisten Menschen in unserem Land keine Behinderung darstelle. Leben mit HIV ist möglich, so eine Formulierung von Dieter Mitrenga, „als wäre nichts“. Und doch: Wenn Menschen mit HIV aus dem Job gedrängt werden, sobald ihre Infektion bekannt wird, dann WERDEN sie behindert. So lange in unserer Gesellschaft Menschen mit HIV Grund haben, ihre Infektion zu verschweigen, solange sie um ihre Akzeptanz, ihren Arbeitsplatz und ihre Zugehörigkeit zu Gruppen und Vereinen fürchten müssen, WERDEN sie behindert. Und weil sie behindert werden, habe das Bundesarbeitsgericht den Menschen mit HIV aus Sicht der Aidshilfe NRW völlig zu Recht diesen Status zuerkannt, so dass sie bei einer rechtswidrigen Kündigung nun dagegen klagen können.

Im Rahmen des Jahresempfangs verlieh der Landesvorstand den Ehrenamtspreis „merk|würdig“ 2014 an die AG Öffentlichkeitsarbeit von POSITHIV HANDELN NRW für ihr großartiges Engagement bei der Vorbereitung des CSD-Auftritts „POSITIV? RESPEKT!“ 2013 und an Andreas Fußhöller für 20 Jahre Vorstandsarbeit bei HEARTBREAKER. Förderkreis der AIDS-Hilfe Düsseldorf. Weitere Informationen dazu finden Sie unter ahnrw.de.

Eine Bildergalerie zum Jahresempfang finden Sie hier.

 

Die Mitwirkenden beim Jahresempfang der Aidshilfe NRW

Landesvorstand und Landesgeschäftsführer der Aidshilfe NRW mit den "merk|würdig"-Preisträgern sowie den Mitwirkenden des Jahresempfangs

Die AG Öffentlichkeitsarbeit von POSITHIV HANDELN ist Preisträger von "merk|würdig" 2014

Maik Schütz, Wolfgang Becker und Jürgen Lücker, die Preisträger von "merk|würdig" 2014, mit Laudator Carsten Schadt MdA sowie Martin Wickert und Peter Struck vom Landesvorstand der Aidshilfe NRW

Andreas Fußhöller ist Preisträger von "merk|würdig" 2014

Andreas Fußhöller, Preisträger von "merk|würdig" 2014, mit Laudatorin Inka Schneider sowie Olaf Lonczewski und Arne Kayser vom Landesvorstand der Aidshilfe NRW