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Klaus-Peter Hackbarth (10. April 1956- 20. November 2013)

Klaus-Peter HackbarthZur richtigen Zeit laut zu sein und im richtigen Moment eher leise, das auseinander zu halten, war für Klaus-Peter kein Problem. Denn es bedeutete für ihn, dass der Moment für denjenigen, der die Entscheidung -ob laut oder leise- zu treffen hat, passen muss. Und alle Menschen gehören in die Gesellschaft, ob es der Gesellschaft passt oder nicht. Beides ist für die Umgebung manchmal schwer zu ertragen, führt aber im Ergebnis zu einer zum Besseren veränderten und toleranten Welt.

Klaus-Peter ist leise von uns gegangen. Und - seiner Überzeugung folgend, gehe ich davon aus, dass er es so gewollt hat und es für ihn passend war. Er brauchte uns in dem Moment, in dem jeder Mensch alleine ist, egal wie viele Menschen bei ihm sind, auch keine Botschaft mehr zurufen. Das hat er vorher getan und sich damit für eine veränderte und bessere Gesellschaft eingesetzt, ganz der Vision einer sozialen Gemeinschaft folgend. Wenn ich heute über seinen Tod schreiben kann, so habe ich dies auch seiner Arbeit in Aidshilfe zu verdanken. Er hat gegen Diskriminierung und Stigmatisierung erfolgreich gekämpft.

Ein schwuler Mann, der sich nicht von einer Gesellschaft verbiegen lassen wollte. Eine Gesellschaft, die es nach wie vor nur zu gerne sähe, wenn wir uns als schwule Männer an tradierten Werten ausrichten. Brav sein, war nicht sein Ding. Und auch deshalb konnte man wunderbar mit ihm streiten und zwar im besten Sinne des Wortes. Streiten um Haltung und Handlung, über Werte und deren Um- und Durchsetzung.

Er konnte hoch politisch agieren und im nächsten Moment seinen eigenen Kopf ohne Kompromisse durchsetzen wollen. Er blieb sich stets selbst treu. Und das bedeutete für ihn, verschiedene Hüte aufzusetzen und mit dem anderen Hut auch die veränderte Sicht durchsetzen zu wollen. Er konnte eben durch diese Eigenschaft vieles verstehen, was anderen verborgen blieb und bleiben wird.

Er rauchte exzessiv und leidenschaftlich. Die Geschwindigkeit war auch beim Rauchen seine eigene. Die Frage war eher, wie viele Zigaretten passen in eine Pause. Und genau so arbeitete und dachte er auch - exzessiv und leidenschaftlich und schnell. Ich habe schon jetzt beim Schreiben dieses Nachrufes wieder das Gefühl, es geht gerade nicht schnell genug. Der Himmel wird es nicht leicht haben, bei seiner Geschwindigkeit mitzuhalten. Und so viel Haltung nehme ich mir jetzt raus: "Du wirst sehen, dass es den Himmel gibt!"

Klaus-Peter hat das Leben geliebt, auch wenn das Leben nicht immer so aussieht, wie wir es uns wünschen. Und wenn es keine Hoffnung für die Gesellschaft gibt, dann können wir immer noch streiten. Streiten dafür, dass die nächsten, die in einer ähnlichen Situation sind, diese dann vielleicht anders erleben können. Diese Haltung zeichnete ihn aus. Das war Klaus-Peter für mich.

Du wirst mir - wie vielen anderen auch - fehlen und sicherlich wirst Du in der Gesellschaft fehlen.

Olaf Lonczewski

 

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