Selbstorganisation, Akzeptanz und Gesundheitsförderung
Mit diesen Schlagworten können wir kurz und knapp die Ausrichtung und Orientierung unserer Arbeit als Landesverband beschreiben. Ausgehend von der Erkenntnis, dass Gesundheit ohne Krankheit nicht zu denken ist, engagieren wir uns für:
- die Selbsthilfe und Selbstorganisation von Menschen mit HIV und Menschen mit Aids.
- eine zielgruppenspezifische und community-orientierte Präventionsarbeit, die insbesondere die Lebenswelten der besonders von AIDS bedrohten schwulen Männer und i.v. drogengebrauchenden Menschen einbezieht und deren Lebenssituation verbessert, bzw. frauenspezifische Ansätze fördert.
- eine interessengeleitete Beratung und Versorgung von Menschen mit HIV/Aids.
Die gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Auseinandersetzungen um die HIV-Infektion und das Krankheitsbild Aids in den letzten 20 Jahren haben gezeigt, dass eine humane und erfolgreiche Prävention, die die Erkrankten nicht ausgrenzt, nur gemeinsam mit den Betroffenen und den von der Erkrankung Bedrohten entwickelt und umgesetzt werden kann. Mit dieser Erkenntnis engagieren wir uns im Bereich der Interessenvertretung für Menschen mit HIV/Aids, für schwule Männer, für Drogen gebrauchende Menschen, für PatientInnen, für eine qualifizierte medizinische sowie pflegerische Versorgung und für ein menschenwürdiges Leben und Sterben.
Lobbyarbeit & Interessenvertretung
Gesundheit und gesundheitsförderndes Verhalten sind nicht nur Folge individueller Entscheidungen, sondern hängen maßgeblich von politischen, sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen ab. Eine Aidsarbeit, die sich allein auf die Krankheit konzentriert und die Rahmenbedingungen außer Acht lässt, ist zum Scheitern verurteilt. Demzufolge ist eine breit angelegte Interessenpolitik (Lobbyarbeit) erforderlich, die die folgende Perspektiven verfolgt:
- Zusammenkommen statt Vereinzelung
- Handeln lernen statt behandelt werden
- Herausarbeiten der Eigenarten statt Gleichmacherei
- Interessenartikulation vor Stellvertreterpolitik
Vor dem Hintergrund der bestehenden gesellschaftspolitischen Strukturen muss sich die Aidshilfe vom schwächsten Glied her definieren. Maßstab sind die sozial Diskriminierten und die von Staat und Justiz Benachteiligten. Im Zentrum unserer Lobbyarbeit stehen daher Menschen mit HIV / AIDS, Schwule, DrogengebraucherInnen, Frauen in bestimmten Lebenssituationen, Menschen im Strafvollzug und Jugendliche.
Die AIDS-Hilfe NRW tritt ein für Menschenwürde, sie engagiert sich gegen Diskriminierung, Ächtung und Ausgrenzung, wehrt sich gegen Radikalisierung sowie Entsolidarisierung dieser Gesellschaft und ist politisch und gesellschaftlich kritisch und unbequem.
Deshalb mischen wir uns auf Landesebene ein
- in die Arbeit der Landesregierung, insbesondere des Gesundheitsministeriums
- in die Beratungen der Parteien und Landtagsfraktionen
- in die Meinungsbildung anderer Verbände und Institutionen
- in die öffentliche Meinungsbildung durch unsere Pressearbeit
Als Interessenorganisation haben wir den Auftrag, gesellschaftliche Missstände zu thematisieren und auf allen Ebenen für eine Verbesserung einzutreten. Unsere Lobbyarbeit ist infolgedessen parteilich, sie blendet aber gesellschaftliche Zusammenhänge nicht aus und bindet sich deshalb in Vernetzungsstrukturen wie z.B. den "Wittener Kreis", den Zusammenschluss der Landesverbände der Gesundheitsselbsthilfe und den Paritätischen NRW ein. Solidarität ist hier keine Einbahnstrasse sondern ein aktives Miteinander im Interesse der Menschen, die von Krankheit und Tod in besonderer Weise betroffen sind.