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Erster Kölner Fachtag Lust+Rausch voller Erfolg

Gut 200 Teilnehmer*innen aus dem gesamten Bundesgebiet haben sich am Samstag, 30. April 2016 in Köln zum ersten Fachtag "Lust+Rausch - Substanzkonsum und Sexualität" getroffen. Die Veranstaltung wurde von der Aidshilfe NRW, der Aidshilfe Köln und der Drogenhilfe Köln im KOMED Köln durchgeführt und diente als Startschuss für einen Diskurs zahlreicher Experten*innen zum Thema Chemsex.

Aufgrund zahlreicher Berichte, nach denen schwule Männer im Kontext von Sex Substanzen, chemische Drogen wie Crystal Meth, Amphetamine oder Ketamin konsumieren, wird deutlich, dass der Zusammenhang zwischen gelebter Sexualität und Substanzkonsum für viele nicht zu trennen ist. Deswegen stand im Mittelpunkt des Fachtages, was eine Gruppe schwuler Männer und anderen MSM in Köln oder auch in anderen Orten in Deutschland (er)lebt, wenn sie in Sexclubs, Saunen, bei organisierten privaten Sexpartys  oder beim One-to-One Sexdate zur Steigerung der Lust oder zur Überwindung von Hemmungen, Schmerzempfinden und Müdigkeit unterschiedliche Substanzen konsumiert. Wenn die Substanzen in diesem Zusammenhang geschluckt, geraucht, geschnupft oder gespritzt (Slammen) werden, spricht man von Chemsex.  

Chemsex ermöglicht einerseits intensiveren und ausdauernden Sex, anderseits birgt der Konsum von Substanzen durchaus Risiken: Von Abhängigkeiten über mentale Schwierigkeiten, gesundheitlichen Schäden durch Überdosierungen oder Langzeitfolgen bis hin zu sexuell oder durch das gemeinsame Benutzen von Spritzenutensilien übertragbaren Infektionen wie Hepatitis C oder HIV. Dass ein kontrollierter Substanzkonsum Grenzen haben kann, macht sich an einer zunehmenden Nachfrage von Beratungsangeboten und Therapien bemerkbar.

Der Kölner Fachtag hat sich zum Ziel gesetzt, Angebote zur Vermittlung von Konsumkompetenz zu entwickeln, zielgruppenspezifische Präventions- und Beratungsangebote besser aufeinander abzustimmen und  auch medizinisch und suchttherapeutisch  Behandelnde für das Thema zu sensibilisieren.  Laut Patrick Maas,  Geschäftsführer Aidshilfe NRW, ist dies auch gelungen: "Wir befinden uns inmitten eines Prozesses und sind auf einem guten Weg. Sucht und Sexualität sind ein ganz wichtiges Thema, nicht nur für schwule Männer, sondern insgesamt. Und heute ist es uns gelungen, grundsätzlich verschiedene Ansätze zusammenzubringen und zu schauen, wo es doch einen gemeinsamen Konsens gibt."

Die Aidshilfe Köln und die Drogenhilfe Köln haben bereits 2014 mit der Aidshilfe NRW sowie einigen Kölner Mediziner*innen begonnen, aus den unterschiedlichen Berichten über Substanzkonsum Strategien für eine zeitgemäße und die Zielgruppen erreichende Prävention und Beratung sowie für stationäre Angebote zu entwickeln.  Für Michael Schuhmacher, Geschäftsführer der Aidshilfe Köln,  wartet nach dem Fachtag erst die richtige Arbeit: "Ein ganz wichtiger Teil wird jetzt die Auswertung des ganzen Tages sein. Weil wir dann sehen können,  was der Informationsaustausch für den nächsten Schritt bedeutet. Damit wir auch wirklich Präventionsangebote entwickeln können, bei denen alle Erfahrungswerte berücksichtigt werden und welche rechtlichen Rahmenbedingungen dafür vielleicht auch noch geändert werden müssen."

Mediziner*innen, Berater*innen aber auch Konsumenten nutzen den Fachtag als Möglichkeit, sich über die wenigen erprobten Konzepte auszutauschen, aber auch Best-Practice-Beispiele vorzustellen und mit Menschen in Kontakt zu treten, mit denen man im Alltag weniger zusammenkommt. 

Dr. Thomas Hambüchen, Geschäftsführer Drogenhilfe Köln: "Dadurch dass die Teilnehmer*innen erstens viele waren und zweitens aus verschiedenen Bereichen kamen und auch nicht nur aus Köln, wurde sehr praxisnah argumentiert und zwar nicht nur medizinisch sondern auch von Konsumentenseite. So konnten vor allem die Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus den Hilfesystemen Basisinformationen sammeln, die sie nun in die tägliche Arbeit einfließen lassen können und beim Aufbau einer Struktur behilflich sind. Denn viele Experten aus unterschiedlichen Bereichen verfügen nun über das gleiche Basiswissen."

Mangels öffentlicher Mittel von Stadt und Land haben die drei Geschäftsführer eine Finanzierung des Fachtags durch den MAC Aids Fund, den Paritätischen NRW und die Glücksspirale erreicht. Darüber hinaus hat jeder der drei Organisationen Eigenmittel in die Planung, Vorbereitung und Durchführung investiert. Gut 200 Teilnehmende zeigen, das Interesse war enorm, so dass es sicherlich nicht der letzte Fachtag Lust+Rausch gewesen sein wird.