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Aktuelle Presseinformation der Aidshilfe NRW

Positive Bilanz: Erster Kölner Fachtag Lust+Rausch voller Erfolg

Köln, 4. Mai 2016 – Der erste Kölner Fachtag Lust+Rausch der Aidshilfe NRW, der Aidshilfe Köln und der Drogenhilfe Köln war ein voller Erfolg. Fast 200 Teilnehmende aus etwa einhundert unterschiedlichen Einrichtungen aus dem gesamten Bundesgebiet waren nach Köln gekommen, um sich über Substanzkonsum und Sexualität bei schwulen Männern auszutauschen und die Folgen des Phänomens Chemsex unter die Lupe zu nehmen.

Nachdem das Thema seit Jahren bereits in London und weiteren Metropolen in der Präventionsarbeit eine zentrale Rolle spielt, wird es nun auch Berlin, Köln und andere Zentren in Deutschland in den Blick genommen. Bei einer Gruppe schwuler Männer werden beim Sex zur Steigerung der Lust oder zur Überwindung von Hemmungen, Schmerzempfinden und Müdigkeit Substanzen, chemische Drogen wie Crystal Meth, Amphetamine oder Ketamin, konsumiert. Gelebte Sexualität und Substanzkonsum ist für einige von ihnen nicht mehr zu trennen.

Prof. Daniel Deimel von der Katholischen Hochschule NRW, Dr. Dirk Sander von der Deutschen AIDS-Hilfe sowie der Kölner Infektiologe Dr. Stefan Scholten stellten in ihren Referaten heraus, wie Chemsex gelebt wird und welche Risiken dieser birgt, etwa Abhängigkeit und psychische Auffälligkeiten, gesundheitliche Schäden durch Überdosierung sowie sexuell oder durch das gemeinsame Benutzen von Spritzenutensilien übertragbare Infektionen wie Hepatitis C oder HIV. Yasmin Borowski und Anne Icking von der salus klinik Hürth beschrieben eine zunehmende Nachfrage von Beratungsangeboten und Therapien und stellten ihren Ansatz der Behandlung vor.

In den Workshops und Open-Minded-Runden konnten die Teilnehmenden miteinander ins Gespräch kommen, ihre Erfahrungen austauschen und erste Überlegungen anstellen, wie Konzepte zur Vermittlung von Konsumkompetenz zu entwickeln sind, wie zielgruppenspezifische Präventions- und Beratungsangebote besser aufeinander abgestimmt und medizinisch und suchttherapeutisch Behandelnde für das Thema besser sensibilisiert werden können.

„Wir befinden uns inmitten eines Prozesses und sind auf einem guten Weg. Sucht und Sexualität sind ein ganz wichtiges Thema, nicht nur für schwule Männer, sondern insgesamt. Und heute ist es uns gelungen, grundsätzlich verschiedene Ansätze zusammenzubringen und zu schauen, wo es zwischen der Forderung nach Abstinenz und dem kontrollierten Konsum einen gemeinsamen Konsens gibt“, so resümiert Patrik Maas, Landesgeschäftsführer der Aidshilfe NRW den Fachtag.

Die Aidshilfe Köln und die Drogenhilfe Köln haben bereits 2014 mit der Aidshilfe NRW sowie einigen Kölner Mediziner*innen begonnen, aus den unterschiedlichen Berichten über Substanzkonsum bei schwulen Männern Strategien für eine zeitgemäße und die Zielgruppen erreichende Prävention und Beratung sowie für stationäre Angebote zu entwickeln. 

Für Michael Schuhmacher, Geschäftsführer der Aidshilfe Köln, wartet nach dem Fachtag erst die richtige Arbeit: „Ein ganz wichtiger Teil wird jetzt die Auswertung des ganzen Tages sein. Weil wir dann sehen können, was der Informationsaustausch für den nächsten Schritt bedeutet. Damit wir auch wirklich Präventionsangebote entwickeln können, bei denen alle Erfahrungswerte berücksichtigt werden und welche rechtlichen Rahmenbedingungen dafür vielleicht auch noch geschaffen werden müssen.“

Dr. Thomas Hambüchen, Geschäftsführer Drogenhilfe Köln: „Die große Anzahl der Teilnehmenden aus dem gesamten Bundesgebiet unterstreicht, wie wichtig es war, diesen Fachtag jetzt durchzuführen. Von allen wurde sehr praxisnah argumentiert und zwar nicht nur von Mediziner-, sondern auch von Konsumentenseite. So konnten vor allem die Teilnehmenden aus den Hilfesystemen Informationen sammeln, die sie nun in die tägliche Arbeit einfließen lassen und die beim Aufbau einer Struktur behilflich sind. Denn viele Expert*innen aus unterschiedlichen Fachbereichen verfügen nun über neue Erkenntnisse über das Leben schwuler Männer und ihren Umgang mit Drogen und Sex.“

Mediziner*innen, Berater*innen aber auch Konsumenten nutzten den Fachtag als Möglichkeit, sich über die wenigen erprobten Konzepte auszutauschen und untereinander Kontakte zu knüpfen. Alle drei Vereine, die mangels öffentlicher Mittel die Finanzierung des Fachtags ausschließlich durch Sponsorleistungen und Eigenmittel ermöglichten, gehen davon aus, dass es sicherlich nicht der letzte Fachtag Lust+Rausch gewesen sein wird.

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