Termine

Hier finden sie alle Termine und Aktivitäten der nächsten Wochen » mehr

Adressen


Print

Aktuelle Presseinformation der Aidshilfe NRW

Minister Laumann: „Um die Versorgung der Menschen mit HIV zu verbessern, müssen Strukturen gestärkt werden“
Aidshilfe NRW ehrt engagierte Ehrenamtliche des „Netzwerks MiSSA NRW“ und des Frauen- und Familienzentrums aus Köln

Köln, 27.04.2018: NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann erklärte beim Jahresempfang der Aidshilfe NRW, die Aidshilfen hätten im Bereich der Prävention und der Versorgung von Menschen mit HIV und Aids in den zurückliegenden Jahren großartiges geleistet. Laumann beteiligte sich gemeinsam mit dem gesundheitspolitischen Sprecher der Grünen-Fraktion im Landtag, Mehrdad Mostofizadeh, den beiden HIV-Schwerpunktärztinnen Doris Reichelt und Katja Römer und Daniela Flötgen von der Aidshilfe Essen an einer Gesprächsrunde über die Versorgungssituation in NRW. Dabei machte der Minister deutlich, dass die Strukturen im Land gestärkt und verbessert werden müssten, damit die Versorgung der Menschen mit HIV gewährleistet blieben.

Zuvor kritisierte der Landesvorsitzende der Aidshilfe NRW, Arne Kayser, in seiner Rede die deutlichen Wissenslücken zu HIV und Aids in der Bevölkerung. Über 80 Prozent hielten zwar ein langes und beschwerdefreies Leben mit einer HIV-Infektion für möglich, aber nur zehn Prozent wüssten, dass eine antiretrovirale Behandlung ein wirksamer Schutz vor einer HIV-Übertragung sei. Hier sei noch viel an Aufklärung zu leisten. Die Verantwortung läge hierbei nicht allein bei den Aidshilfen, sondern auch bei Politik und Behörden. „Mit Kondomen, Schutz durch Therapie und der PrEP stehen uns in Deutschland Präventionsmöglichkeiten zur Verfügung, das die kommenden Jahre weiterhin prägen wird“, sagte Kayser. Die Aidshilfe NRW fordere zudem, die Praeexpositionsprophylaxe allen zugänglich zu machen, die sie wollten, und das schließe auch die damit verbundenen STI-Checks und HIV-Tests mit ein.

Auch in der Ärzteschaft seien nach wie vor Wissenslücken zu HIV anzutreffen, darauf wies Römer hin. Besonders die Universitäten seien hier gefragt, Studierenden bereits die Grundlagen der Infektiologie und damit zu HIV zu vermitteln. Dies helfe, sowohl Diskriminierungen von Menschen mit HIV in Praxen zu verhindern als auch viel zu spät erfolgte HIV-Diagnosen zu vermeiden. Von Patient*innen, die nicht selten viel zu spät von ihrer HIV-Infektion erführen, berichtete auch Reichelt. Vielen werde ein HIV-Test nicht angeboten, zudem herrschten vielfach Angst und Vorbehalte vor einer solchen Untersuchung.

Weitere Hindernisse werden bei Inanspruchnahme der HIV-Ambulanzen in den Zentren durch Menschen aus ländlichen Gebieten deutlich. Weite Fahrtwege und hohe Fahrtkosten halten viele Menschen ab, von weit her in die HIV-Ambulanzen zu kommen. „Ohne Mithilfe der Aidshilfe, die Fahrgemeinschaften organisieren und Patient*innen zum Teil selbst begleiten, würden wir viele gar nicht sehen“, sagte Reichelt. „Ich fordere von den Kassen oder vom Amt, Menschen mit HIV auch Rezeptgebühren und Fahrtkosten zur regelmäßigen Behandlung zu erstatten, damit sie bei finanziellen Engpässen ihre Therapie nicht unterbrechen. Wenn das bei der Dialyse geht, warum sollte es bei der HIV- Behandlung nicht auch gehen?“

Aus der Perspektive der Aidshilfe berichtete Flötgen, etwa 80 Prozent aller, die mit HIV lebten, seien gut versorgt. Es ginge darum, die Zugangsbarrieren für alle anderen abzubauen. Zu diesen zählten insbesondere Drogen Gebrauchende, Menschen mit Migrationshintergrund, in der Sexarbeit Tätige und Inhaftierte. Mostofizadeh griff die Aspekte der Mitdiskutantinnen auf und forderte, die Versorgung von Menschen mit HIV zu verbessern. „Hier muss Politik die Fakten wahrnehmen und mehr tun.“ Minister Laumann betonte zwar auch die Verantwortung des Landes, aber um eine sektorübergreifende Versorgung im Regelsystem zu erreichen, seien auch die Kassen gefragt. Alle waren sich einig, dass die Anstrengungen der in der HIV- und Aidsprävention Beteiligten nicht nachlassen dürften. Moderiert wurde die Talkrunde von Aslı Sevindim, Kuratoriumsmitglied der Aidshilfe NRW. 

Viel Applaus erhielten die Preisträger*innen des Ehrenamtspreises der Aidshilfe NRW "merk|würdig". Der Landesvorstand ehrte Lucy Njonjo, George Duncan und Mamadou Moussa Conde vom „Netzwerk MiSSA NRW“, die sich im Ruhrgebiet mit Migrant*innen aus Subsahara Afrika engagieren, um in ihrer Community strukturelle Prävention zu ermöglichen und durchzuführen. Darüber hinaus wurden Nicole Bachmann, Heidemarie Eigenfeld, Mariette Heckers und Rolf Kursawe vom Frauen- und Familienzentrum der Aidshilfe Köln mit dem "merk|würdig"-Preis ausgezeichnet. In ihren Laudationes würdigten die Integrations-Staatssekretärin Serap Güler und die Kölner Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes das unermüdliche, ehrenamtliche Engagement der Geehrten.

 

 

Alle unsere Presseinformationen ab 2002 finden Sie in unserem Presse-Archiv.