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Aktuelle Presseinformation der Aidshilfe NRW

"Neues Kapitel in der HIV-Präventionsgeschichte": PrEP zum günstigen Preis
Aidshilfe NRW begrüßt Initiative einer Kölner Apotheke

Köln, 13. September 2017 – Die Aidshilfe NRW begrüßt ausdrücklich die Initiative eines Kölner Apothekers, die HIV-Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) zeitnah in Deutschland für gut 50 Euro pro Monat anzubieten. Ein Generikum des Medikaments Truvada wird in ausgewählten Apotheken in sieben Großstädten erhältlich sein. "Wir erleben gerade ein weiteres Kapitel Geschichte in der HIV- und Aidsprävention in Deutschland", sagte Arne Kayser, Landesvorsitzender der Aidshilfe NRW. "Mit dieser im Ausland lange erprobten Methode, sich aktiv vor HIV zu schützen, wird nicht nur ein wirksamer Präventionsbaustein für mehr Personen als bisher erschwinglich, es wird zudem auch der psychischen Gesundheit viele zuträglich sein."

Bei der PrEP nehmen HIV-negative Menschen HIV-Medikamente ein, um eine Infektion zu verhindern. In Deutschland sind Truvada und ein Generikum zu diesem Zweck für Menschen mit hohem HIV-Risiko zugelassen, mit mehr als 800 beziehungsweise 600 Euro für die meisten aber unerschwinglich. Die Krankenkassen zahlen bisher nicht dafür. Der Kölner Apotheker Tenberken hat nun eine Lösung gefunden, um die HIV-Prophylaxe kostengünstig anzubieten. Er kauft das Medikament zum Vorzugspreis beim Generika-Hersteller Hexal und verpackt es neu in Blister (Durchdrückverpackungen). Damit entsteht ein neues Präparat, das nur für die Prophylaxe zugelassen ist. Der Verkauf des HIV-Medikaments für die Therapie bleibt also unberührt. Für die Prophylaxe kann Tenberken darum 28 Tabletten für 51 Euro anbieten. Kooperierende Apotheken soll es in einer ersten Phase außer in Köln voraussichtlich in Düsseldorf, Hannover, Hamburg, Berlin, München und Frankfurt am Main geben.

Neben Kondomen und Schutz durch Therapie ist die PrEP ist ein weiteres Mittel einer adäquaten und zielgruppengerechten Versorgung. Die ärztliche Begleitung und Beratung von Aidshilfen während der dauerhaften oder anlassbezogenen Einnahme bettet die infrage kommenden Zielgruppen in ein engmaschiges System ein, das unter anderem frühzeitige Diagnosen und Behandlung von STIs ermöglicht. Regelmäßige HIV-Tests und andere medizinische Untersuchungen sind bei der PrEP unerlässlich, auch wegen möglicher Nebenwirkungen und anderer sexuell übertragbarer Infektionen. "Die PrEP ist eine weitere Schutzmöglichkeit und wird die Nutzung von Kondomen als am weitesten verbreitete Methode ergänzen", sagte Kayser. "Wir begrüßen, dass die Beschaffung der PrEP endlich aus der rechtlichen Grauzone verschwindet und gehen davon aus, das eine zeitnahe Reduktion von Neuinfektionen mit HIV möglich wird und längerfristig gesehen, mit einer Abnahme von STIs gerechnet werden kann." 

Eine bei der Arbeitsgemeinschaft der niedergelassenen HIV-Schwerpunktärzte in Deutschland (dagnä) am Wochenende vorgestellte Studie geht davon aus, dass die PrEP in Deutschland bis zum Jahr 2030 rund 9.000 HIV-Infektionen und damit auch Therapiekosten verhindern könnte. "Dieser Durchbruch kann aber nur der Anfang sein. Zum einen ist die PrEP nicht überall verfügbar, zum anderen können sich auch 50 Euro nicht alle Menschen leisten. Wir brauchen einen flächendeckenden, über die Krankenkassen finanzierten Zugang zur HIV-Prophylaxe", erklärte Kayser.

Andere Länder profitieren bereits von der PrEP, so zum Beispiel die USA, wo sie für Menschen mit hohem HIV-Risiko sogar offensiv beworben wird. In Europa ist sie bereits in Frankreich, Schweden und Norwegen über das jeweilige Gesundheitssystem erhältlich. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Truvada (beziehungsweise die Kombination der beiden darin enthaltenen Wirkstoffe) im Juni auf die Liste der unentbehrlichen Medikamente aufgenommen.

Weitere Informationen finden Sie unter aidshilfe.de.

 

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