2018-10-26: Langjähriger Aktivist Bernd Aretz gestorben

Bernd Aretz gestorbenAm 23. Oktober ist der Frankfurter HIV-Aktivist Bernd Aretz im Alter von 70 Jahren gestorben. So offen, wie Bernd Aretz bereits in den achtziger Jahren sein Schwulsein und seine HIV-Erkrankung behandelte, so selbstverständlich und klar hatte er im Zuge seiner fortgeschrittenen Erkrankung in den vergangenen Monaten auch gegenüber seinen Freund*innen und Weggefährt*innen sein bevorstehendes Sterben thematisiert.

Mit ihm verliert die Aidshilfe nicht nur einen über Jahrzehnte engagierten, immer wieder auch streitbaren und auf produktive Weise unbequemen Aktivsten. Bernd Aretz hat durch sein vielfältiges und anhaltendes Engagement in den unterschiedlichsten Bereichen Menschen mehrerer Generationen geprägt, begeistert und beflügelt - nicht zuletzt als Vorstand der AIDS-Hilfen in Offenbach und Frankfurt bzw. der Deutschen AIDS-Hilfe. Von 1990 bis1992 und 1994 bis 1996 gehörte er dem Bundesvorstand an.

Bernd Aretz, der sich selbst oft als "bürgerlich-autonome Tunte" bezeichnete, hatte sich gleich zu Beginn der Aidskrise vehement und selbstbewusst für ein lustvolles Leben mit bzw. trotz HIV/Aids und gegen die Stigmatisierung aller Menschen mit HIV eingesetzt. Als erfahrener Fachanwalt für Sozialrecht war er zudem ein stets kompetenter und fordernder Experte etwa im Bereich Kriminalisierung von Drogenkomsument*innen und von Menschen mit HIV.

Sein Wissen und sein seinen reichen Erfahrungsschatz setzte er nicht nur als Mitglied im Nationalen AIDS-Berat ein. Auch als Redner, auf Podien und in zahlreichen Artikeln hat Bernd Aretz immer wieder Zusammenhänge und Hintergründe zu aktuellen Themen rund um HIV erklärt, Forderungen formuliert und die Gesundheits- und Rechtspolitik wie die HIV-Community kritisch begleitet. In seinen Büchern "Annäherungen" (1995) und "Notate. Aus dem Leben eines HIV-infizierten schwulen Mannes" (1997) reflektierte er klug und lebensnah seinen Umgang mit der Erkrankung. 2017 ehrte ihn die Deutsche AIDS-Stiftung für sein publizistisches Lebenswerk mit einem Sonderpreis. Bereits 1994 war er vom Hessischen Ministerpräsidenten für seine Verdienste in der Gesundheitserziehung mit der Bernhard-Christoph Faust-Medaille ausgezeichnet worden.

magazin.hiv

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