2018-10-11: LSBTIQ*-Geflüchtete berichten von Diskriminierung während Asylanhörung

Erfahrungen mit der Anhörung von LSBTIQ* GeflüchtetenIm August 2018 wurden Ablehnungsbescheide gegenüber homosexuellen Asylsuchenden in Österreich und Deutschland bekannt, die vor allem durch ihre Begründungen Irritation und Unmut in der Öffentlichkeit auslösten. Die Asylsuchenden würden sich nicht offensichtlich homosexuell verhalten und könnten somit ihre Sexualität und ihren Fluchtgrund nicht eindeutig nachweisen.

Im Rahmen der landesweiten Vernetzung von unterschiedlichen lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, intergeschlechtlichen und queeren (LSBTIQ*) Projekten und Netzwerken in Nordrhein-Westfalen wurden seit Ende letzten Jahres Fragebögen zu diesen Erfahrungen von LSBTIQ*-Geflüchteten mit der Anhörung des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ausgewertet.

Die 51 ausgewerteten Fragebögen wurden in einem Projektbericht zusammengefasst und liefern Informationen zum Herkunftsland, Fluchtgründen, Verlauf der Anhörung, Kontakt zu Dolmetscher*innen und Sachbearbeiter*innen sowie zu Möglichkeiten der besseren Unterstützung von LSBTIQ*-Geflüchteten.

Hierzu berichtet die Sprecherin der Projektgruppe Marlen Vahle: "LSBTIQ*-Geflüchtete können als besonders vulnerable Gruppe gelten. Die Anhörung ist für Menschen, die aufgrund ihrer Sexualität oder ihrer Geschlechtsidentität fliehen mussten, eine besonders sensible und herausfordernde Situation.“

Die Ergebnisse der Befragung weisen darauf hin, dass sich nuretwa 40 Prozent der LSBTIQ*-Geflüchteten vor der Anhörung beim BAMF an zielgruppenspezifische Beratungsangebote wenden.

Nur ein Viertel der Teilnehmenden wird zur Anhörung begleitetund nur jede*r Zehnte beantragt die Teilnahme eines*r Sonder-beauftragte*n für Minderheiten. Es konnte zudem festgestellt werden, dass diejenigen Asyl-bewerber*innen, die im Vorfeld von einer LSBTI-spezialisierten Beratungsstelle unterstützt und zur Anhörung begleitet werden, das Asylverfahren erfolgreicher abschließen. Darüber hinaus berichten 23% der Teilnehmenden, die ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität als Fluchtgrund angegeben haben,von stereotypen und diskriminierenden Aussagen durch Anhörende und Dolmetscher*innen. "'Sie sehen gar nicht schwulaus' ist offenbar auch in Deutschland eine Aussage, die in derAnhörung gegenüber LSBTIQ*-Geflüchteten geäußert wird“, so Marlen Vahle weiter. "Zudem müssen sich homosexuelle Asylsuchende weiterhin intimen Fragen zu ihrem Sexualleben stellen lassen."

Die beteiligten Fach- und Beratungsstellen fordern daher Schulungen zur Sensibilisierung von Entscheider*innenund Dolmetscher*innen im BAMF. Darüber hinaus fordernsie die Beratungsangebote für LSBTIQ*-Geflüchtete sicher-zustellen. So erklärt Marlen Vahle: "Die Anhörung im BAMFsollte auf intimitätswahrende Weise durchgeführt werden. Homo- und transsexuelle Geflüchtete brauchen zudem die Chance im Vorfeld beraten und unterstützt zu werden."

Der Projektgruppe gehören das SOGICA Projekt, Rainbow Refugees Cologne-Support Group, die Aidshilfe Düsseldorf, You’re Welcome - Mashallah, der Kölner Flüchtlingsrat sowie das Projekt Geflüchtete Queere Jugendliche, Fachstelle Queere Jugend NRW / Schwules Netzwerk NRW an.

 

Die Ergebnisse der Befraugung finden Sie hier (PDF-Datei).

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