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2017-06-30: Ehe für alle ist ein guter Anfang

Zum Beschluss des Bundestages, die Ehe allen Menschen zu öffnen, erklärt Björn Beck vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe: "Die Ehe für alle ist ein historischer Meilenstein und ein Grund zu großer Freude. Der Bundestag hat damit ein lange überfälliges Signal setzt: Niemand darf aufgrund seiner sexuellen Orientierung benachteiligt werden. Doch es bleibt viel zu tun für eine Gesellschaft, in der jeder Mensch respektiert wird – unabhängig von sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität und auch von der Frage, ob jemand heiraten möchte oder nicht. Rechtliche Gleichstellung ist ein wunderbarer Anfang, Akzeptanz und Selbstverständlichkeit der Vielfalt sind das Ziel!"

Die Deutsche AIDS-Hilfe dankt allen, die sich Jahrzehnte lang für Gleichberechtigung stark gemacht haben – insbesondere dem Vorkämpfer Volker Beck, dessen unermüdliches Engagement sich nun auf den letzten Metern seiner letzten Legislaturperiode ausgezahlt hat. "Der heutige Durchbruch war nur möglich durch eine starke Bewegung!", betont Björn Beck. Dem schließt sich auch die Aidshilfe NRW an.

Noch lange nicht verabschiedet ist hingegen die überfällige Reform des Transsexuellengesetzes (TSG), die Trans*-Menschen das herabwürdigende Prozedere auf dem Weg zur rechtlichen Anerkennung ihres Geschlechts ersparen könnte – wie es unter anderem der Europarat fordert. Auch in dieser Frage bremsen konservative Kräfte seit vielen Jahren zulasten der persönlichen Freiheit und der Gesundheit von Menschen. Auch in dieser Frage hat das Bundesverfassungsgericht bereits diskriminierende Regelungen untersagt. Auch in dieser Frage geht es quälend langsam voran.

"Eine demokratische Gesellschaft darf niemanden aufgrund seines Lebensentwurfs ausschließen oder benachteiligen. Dieses Motto gilt es in allen gesellschaftlichen Fragen ernst zu nehmen, auch und gerade mit Blick auf geschlechtliche Identität und Sexualität. Jeder Mensch hat ein Recht, ganz selbstverständlich sein Leben zu leben“, betont Björn Beck.

Während wir heute die einstige Utopie der Ehe-Öffnung feiern, hat sie zugleich neue Angriffe vonseiten der neuen Rechten hervorgerufen. Schon seit einigen Jahren haben sich homo- und trans*feindliche Strömungen gebildet, die Emanzipationserfolge zurückdrehen wollen, Lebensentwürfe nicht nur von LSBTI* verunglimpfen und sich gegen Antidiskriminierungsarbeit in Schulen einsetzt. Die AfD geht hier voran. Aber die homo- und trans*phoben Bestrebungen finden auch in etablierten Parteien Beifall.

Diskriminierung und Herabwürdigung fügen dabei noch immer dem Wohlbefinden und der Gesundheit vieler Menschen schweren Schaden zu. Die Folge sind psychische Erkrankungen, ein erhöhtes Sucht- und Suizidrisiko sowie eine höhere Gefahr, sich mit HIV zu infizieren.

"Die heutige Öffnung der Ehe ist auch eine klare Absage an reaktionäre Bestrebungen von rechts und aus der katholischen Kirche", sagt Björn Beck. "Die Mehrheit der Menschen in Deutschland will eine offene und pluralistische Gesellschaft, in der sich jeder Mensch nach seiner Façon entwickeln kann und Schutz genießt."

Um dies zu betonen, hat die Deutsche AIDS-Hilfe gemeinsam mit zahlreichen LSBTI*-Organisationen unter der Überschrift „Die Vielfalt ist ein sicherer Ort für alle“ einen Appell zum Schutz von Recht und Freiheit veröffentlicht.

Quelle: Deutsche AIDS-Hilfe

vielfalt-fuer-alle.org

aidshilfe.de

Pressemitteilung der Bundesvereinigung Trans*