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2015-12-08: Weiterhin gilt: "Kondome schützen!" - Wirksame Prävention ist aber mehr!

Gesundheitsministerin Barbara Steffens

"Mach's mit!" - so werben viele öffentliche Kampagnen seit Jahren für geschützten Sex mit Kondom. "Wir machen's ohne" erklären nun HIV-positive Aktivistinnen und Aktivisten auch aus NRW und verweisen damit auf das Konzept "Schutz durch Therapie". Das wird von der Deutschen AIDS-Hilfe und auch der Aidshilfe NRW begrüßt. Bedingung hierfür ist eine wirksame Medikamenten-Therapie. Dies stieß auf Unverständnis und Ablehnung. Kritik äußerte auch Gesundheitsministerin Barbara Steffens, die betonte, dass Kondome auch vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) schützen können. Darüber berichtete die WDR-Sendung "Westpol" am Wochenende.

Die Aidshilfe NRW macht deutlich, dass sie keinen Dissens mit der Ministerin sehe. "Kondome schützen vor HIV und anderen STI, an dieser Wahrheit ist nicht zu rütteln", versichert Guido Schlimbach von der Aidshilfe NRW. "Doch ebenso wahr ist die Tatsache, dass Menschen mit HIV, die wirksam behandelt werden und bei denen das HI-Virus seit mindestens einem halben Jahr unter der Nachweisgrenze ist, HIV nicht übertragen können. Beides muss die Aidshilfe, wenn sie glaubwürdig sein will, in ihrer Prävention berücksichtigen." Und dabei ist "Schutz durch Therapie" keineswegs eine neue Idee. Schon 2012 hatte der Nationale Aids-Beirat, ein Beratungsgremium des Bundesgesundheitsministeriums, empfohlen, dieses Mittel der Prävention "offen und öffentlichkeitswirksam zu kommunizieren".

"Auch wenn diese Safer-Sex-Strategie vielfach auf Missverständnis und Widerstand stößt, werden wir weiterhin kommunizieren, dass Menschen mit HIV unter der Nachweisgrenze das Virus nicht weitergeben können", sagte Schlimbach. Wichtig sei, alle Fakten auf den Tisch zu legen und dazu zählt, dass auch bei Sex mit Kondom die Möglichkeit besteht, andere STI zu übertragen. "Alle, die häufig wechselnde Sexkontakte auch mit Kondom haben, sollten sich nicht in falscher Sicherheit wiegen. Wir empfehlen, sich über die Übertragungswege und Schutzmaßnahmen zu informieren und regelmäßig auf STI testen zu lassen."

Kondomgebrauch und "Schutz durch Therapie" sind kein Widerspruch. Es sind sich ergänzende Möglichkeiten der HIV-Prävention. "Wir machen seit Jahrzehnten die Erfahrung, dass Menschen sich differenziert mit Safer-Sex-Regeln und Präventionsbotschaften auseinandersetzen. Wenn die Westpol-Redaktion das nun gefährlich nennt, verkennt sie, wie fundiert und differenziert die Aussagen der Aidshilfe sind", sagte Schlimbach. "Wir richten unsere Prävention an der Lebensrealität unserer Zielgruppen aus und beziehen sie mit ein. Wir können daher bestehende Möglichkeiten der Prävention nicht verschweigen!"

Wie „Schutz durch Therapie“ funktioniert und was man dabei beachten sollte, darüber informiert die Deutsche AIDS-Hilfe.