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20014-03-12: Respekt, Vertrauen, Würde und Sicherheit - Gesundheitsversorgung in Haft

Gesundheitsförderung in HaftIntravenöser Drogenkonsum ist bei der Übertragung viraler Infektionen wie HIV, Hepatitis B und C seit langem Präventions- und Forschungsthema. Es ist bekannt, dass bis zu 80% derjenigen, die in den niedrigschwelligen Drogenhilfeeinrichtungen in Kontakt mit dem Gesundheitssystem kommen, lange Jahre im Gefängnis verbrachten. Die 7. Europäischen Konferenz zur Gesundheitsförderung in Haft im März in Bonn war für die Aidshilfe NRW Anlass zu einer Begegnung mit Dr. Hans Wolff, Direktor der gefängnismedizinischen Abteilung der Genfer Universitätsklinik.

Wolff, der seine Kindheit in Deutschland und der Türkei verbracht hat und danach in die Schweiz zog, ist Arzt und Forscher. Er engagiert sich seit langem für die Gesundheit von Gefangenen und von Menschen ohne Ausweispapiere. Darüber hinaus ist er Mitveranstalter der europäischen Konferenzen zur Gesundheitsförderung in Haft.

Wolff berichtete über seine Erfahrung der Gesundheitsförderung für Gefangene durch das öffentliche System, insbesondere über die Spritzenvergabe, Substitution und sonstige medizinischen Angebote für Drogen gebrauchende Inhaftierte. Genf genießt in der Schweiz aufgrund historischer Entwicklungen einen politischen Sonderstatus und praktiziert seit Jahrzehnten eine liberale Gesundheitspolitik im Strafvollzug. Hier wird auf beeindruckende Weise das Äquivalenzprinzip der Versorgung für Menschen in Haft umgesetzt, das vom Gesetz auch in Deutschland festgelegt ist.

Arne Kayser, Landesvorsitzender der Aidshilfe NRW, begrüßte, dass sich im Vorfeld der Konferenz so viele Interessierte in der Landesgeschäftsstelle eingefunden haben, um sich mit diesem wichtigen Thema der Gesundheitsförderung in Haft fachlich auszutauschen. Im geschützten Rahmen kamen Expertinnen und Experten sowohl aus dem Justizvollzug, als auch aus dem Aids- und Drogenhilfesystem miteinander ins Gespräch. Kayser sprach die Hoffnung aus, dass mit diesem Treffen Anstöße für einen anderen Umgang mit dem Konsum illegaler Drogen in Haft im Sinne von Gesundheit, Wahrung der Menschenrechte und der gesamtgesellschaftlichen Diskussion ausgehen können.