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2017-04-10: Erste PrEP-Studie in Deutschland

Erste PrEP-Studie in DeutschlandZur HIV-Prä-Expositions-Prophylaxe (kurz: PrEP; vorsorgliche Einnahme von HIV-Medikamenten zum Schutz vor HIV) ist bislang nur das HIV-Medikament Truvada zugelassen. Hersteller Gilead will dafür nun auch den Truvada-Nachfolger Descovy verordnungsfähig machen. Um herauszufinden, ob Descovy genauso gut schützt wie Truvada (bei weniger Nebenwirkungen), führt Gilead deshalb parallel in Europa und den USA die DISCOVER-Studie durch. Daran teilnehmen können 5000 HIV-negative Männer und trans* Frauen ab 18 Jahren, die Sex mit Männern haben und dabei häufig HIV-Risiken eingehen. Die Teilnehmer_innen werden über einen Zeitraum von mindestens 48 Wochen Medikamente einnehmen. Ob es sich bei um Truvada® oder Descovy® handelt, erfahren sie zunächst nicht.

Ab sofort können nun auch vier HIV-Schwerpunktpraxen in Berlin, München und Frankfurt (Adressen am Ende des Beitrags) damit beginnen, Interessierte zu Untersuchungen einzuladen und Proband*innen in die Studie aufzunehmen. Das Infektiologikum Frankfurt/Main, das Interdisziplinäre HIV-Zentrum am Klinikum rechts der Isar in München sowie das Zentrum für Infektiologie Berlin/Prenzlauer Berg gehen von jeweils etwa 50 Studienplätzen aus. Der Berliner HIV-Spezialist Heiko Jessen, der den deutschen Arm der Studie leitet, wird in seiner Praxis voraussichtlich sogar bis zu 450 Proband*innen betreuen.

Einer der Gründe für den späteren Studienstart in Deutschland war offenbar, dass Gilead beim Rekrutierungsverfahren "nacharbeiten" musste und dass dies "etwas holprig" geschah, wie einer der beteiligen deutschen Ärzte berichtet.

Im November 2016 hatten HIV-Aktivist*innen dem Unternehmen in einem offenen Brief vorgeworfen, potenzielle Teilnehmer*innen nicht ausreichend darüber zu informieren, dass Sicherheit und Wirksamkeit von Descovy zum Schutz vor HIV noch nicht erwiesen seien. Stattdessen werde der Eindruck erweckt, Descovy sei definitiv sicherer, wirksamer und besser verträglich als Truvada. Darüber hinaus habe Gilead die Studie ohne Einbindung der HIV-Community vorangetrieben. Auch die Deutsche AIDS-Hilfe hatte deshalb Gilead angemahnt, die Spielregeln einzuhalten.

Für die Teilnehmenden der DISCOVER-Studie sind die Medikamente kostenfrei, ebenso die studienbezogenen Untersuchungen und Labortests. Damit besteht zum ersten Mal in Deutschland für einige wenige Interessent*innen kostenloser Zugang zu Truvada, wobei die Teilnehmer*innen nicht wissen, ob sie das erwiesenermaßen vor HIV schützende Präparat Truvada oder Descovy bekommen.

Truvada ist seit dem Sommer 2016 in der EU auch zur HIV-PrEP zugelassen und seit Oktober letzten Jahres auch in Deutschland verschreibungsfähig. Die Kosten (derzeit rund 800 Euro monatlich allein für die Tabletten, hinzu kommen regelmäßige Untersuchungen) werden aber nicht von den Krankenkassen erstattet. In Frankreich wird die PrEP seit 2016 von der Sozialversicherung finanziert, und auch in Norwegen können die Kosten übernommen werden.

aidshilfe.de