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Spritzenautomaten: handfeste Primärprävention in NRW

Spritzenpacks für Automaten - Foto: Aidshilfe NRW

Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alterdes Landes Nordrhein-Westfalen über das Automatenprojekt des Landesverbandes:

"Der Start des Spritzenautomatenprojekts 1989 erfolgte vor dem Hintergrund der damals raschen Zunahme von Menschen mit HIV in der Personengruppe der intravenös Drogen gebrauchenden Menschen. Es war klar, dass eines der größten Ansteckungsrisiken die gemeinsame Nutzung von kontaminierten Spritzen und Nadeln ist. Diese Erkenntnis zwang zu schnellem gesundheitspolitischen Handeln und führte zugleich zu einem grundlegenden Umdenken in der Sucht- und Drogenpolitik des Landes. Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheits- und Überlebenshilfe wurden zu einem neuen Schwerpunkt. Im Mittelpunkt stand dabei die Reduzierung der Ansteckungsrisiken mit HIV durch Safer Use.

Die Landesregierung hat das von der Aidshilfe NRW entwickelte Spritzenautomatenprojekt zur Verbesserung des Gesundheitsschutzes bei intravenös Drogen gebrauchenden Menschen von Beginn an finanziell gefördert. Das Angebot – es ermöglicht rund um die Uhr einen Zugang zu sterilen Spritzen, Pflegesets und Kondomen gegen ein geringes Entgelt und gewährleistet zudem die Entsorgung gebrauchter Spritzbestecke – hat sich bewährt. So werden die Spritzenautomaten nach Angaben der beteiligten Kommunen intensiv genutzt. Allein im Jahr 2011 wurden auf diesem Wege etwa 250.000 Einmalspritzen in NRW abgegeben.

Nicht zuletzt deshalb freut es mich, dass die Aidshilfe NRW als Trägerin des Spritzenautomatenprojekts dieses Vorhaben bis heute engagiert und kompetent umsetzt. Überdies besteht Bedarf, an weiteren Standorten Spritzenautomaten aufzustellen. Für mich gehört das zu einer akzeptierenden Drogen- und Suchtpolitik, die die Realität nicht verdrängt, sondern ihr ins Auge schaut. Von der vorliegenden Broschüre wünsche ich mir, dass sie hilft, weitere Trägerinnen und Träger sowie zusätzliche Kommunen davon zu überzeugen, dieses wichtige Projekt zu unterstützen."

Weitere Informationen finden Sie unter saferuse-nrw.de.

Was ist das Spritzenautomatenprojekt?

Das Spritzenautomatenprojekt gibt es seit 1989. Es richtet sich an Drogen gebrauchende Menschen und wird durch die Aidshilfe NRW umgesetzt. Die Finanzierung erfolgt durch das Gesundheitsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen. Das überregionale Angebot mit über 100 Automaten, die rund um die Uhr Einwegspritzen, aber auch Pflegesets und Kondome zum Selbstkostenpreis zugänglich machen und zugleich die sichere Entsorgung gebrauchter Spritzen ermöglichen, hat sich bewährt. Die Automaten ermöglichen einen diskreten und anonymen Zugang zu sterilen Spritzutensilien. Das Spritzenautomatenprojekt ist ein wichtiger Baustein im Gesamtkonzept der akzeptierenden Drogenarbeit in NRW Es geht nicht um die Entwöhnung vom Drogenkonsum, sondern um die Verbesserung der Lebensbedingungen von Drogen konsumierenden Menschen. Schäden, die mit dem Gebrauch von Drogen einhergehen können, sollen reduziert werden (harm reduction). Die Automaten werden von unterschiedlichen Organisationen betrieben, darunter Aidshilfen, kommunale Drogenund Drogenselbsthilfeeinrichtungen, Gesundheitsämter, Apotheken sowie kirchliche und freie Träger. Immer noch gibt es Regionen, in denen bislang kein Automat aufgestellt werden konnte, weil dort nach wie vor Vorbehalte herrschen. Unser Ziel ist eine flächendeckende Versorgung mit Automaten in ganz NRW.

Was wird in den Automaten angeboten?

Unsere Spritzenautomaten verfügen über mindestens sieben Warenschächte. Sie sind mit Spritzbestecken bestückt: eine Verpackungseinheit enthält eine 2-ml-Spritze, kombiniert mit einer 12, 16, 20 oder 25 mm langen Kanüle sowie einem Einmalfilter, und kostet 0,50 Euro. Ein Schacht enthält Pflegesets mit Hautcreme, Vitamin C, Kochsalzlösung und Alkoholtupfer, ein weiterer Caresets mit Stericup (Aufkochpfännchen) und Filter sowie Alkoholtupfer. In den beiden übrigen Schächten befinden sich Kondome und Cruisingpacks. Außerdem verfügt jeder Spritzenautomat über einen speziellen Entsorgungsschacht, in den gebrauchte Spritzbestecke eingeworfen werden können. Die Päckchen enthalten zudem wichtige Informationen zur Handhabung der Utensilien und zur Entsorgung gebrauchter Spritzen sowie die Telefonnummer des Rettungsdienstes für Notfälle.

Warum gibt es Spritzenautomaten?

Durch gemeinsam gebrauchte Spritzen (needle sharing)können HIV, Hepatitis C und andere Infektionskrankheiten übertragen werden. Daher ist es wichtig, dass den Drogenkonsumierenden sterile Spritzen und Spritzutensilien zur Verfügung stehen. Durch die Aufstellung von Spritzenautomaten konnte bei intravenös Drogengebrauchenden die Neuinfektionsrate von HIV erheblich gesenkt werden, die Verbreitung von Hepatitis C ist aber nach wie vor sehr hoch.

Wie kann ich das Projekt unterstützen?

Das Spritzenautomatenprojekt ist auch weiterhin auf die Unterstützung und das Engagement von Einzelpersonenund Organisationen angewiesen. Dies kann durch das Aufstellen und das Betreiben eines Automaten geschehen oder auch durch die Anregung einer Diskussion vor Ort, wenn Widerstände gegen die Aufstellung zu erwarten sind. Gern setzen wir uns bei Interesse mit Ihnen in Verbindung, um Ihnen nähere Einzelheiten zum Projekt zu erläutern. Sollten Sie in Ihrer Nähe Bedarf für einen Spritzenautomaten sehen, schicken Sie uns bitte eine Nachricht. Noch immer gibt es in NRW Regionen und Orte, wo die Aufstellung von Spritzenautomaten bislang nicht möglich war. Hier brauchen wir auf jeden Fall interessierte und kompetente Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner vor Ort, die unsere Interessen vertreten und sich in die Diskussion einschalten. Tragen sie mit dazu bei, dass im Interesse der Gesundheit vieler Drogen gebrauchender Menschen die Spritzenautomaten bedarfsgerecht und flächendeckend in allen Regionen in NRW zugänglich sind! Die Gesundheit und das Wohlergehen der Drogengebrauchenden dürfen uns nicht egal sein!

Bei Fragen zum Automatenprojekt steht Ihnen Brigitte Bersch gerne zur Verfügung.