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Aktuelle Presseinformation der Aidshilfe NRW

Gesundheitsminister Laumann und Aidshilfe NRW ermuntern zum HIV-Test
Zu viele Menschen erfahren erst spät von ihrer Infektion

Düsseldorf, 29. November 2017 – Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Nordrhein-Westfalen stagniert weiterhin. 2016 infizierten sich rund 640 Menschen in NRW mit HIV, leicht weniger als im Vorjahr. Zugleich erfuhren 280 Menschen erst von ihrer HIV-Infektion, als sie bereits an Aids beziehungsweise einem schweren Immundefekt litten – obwohl sich die Krankheit heute durch eine Therapie vermeiden lässt. Sie hatten bereits jahrelang unwissentlich mit HIV gelebt.

"Die Zahlen zeigen, dass wir in unseren Anstrengungen nicht nachlassen dürfen, bei der Aids-Vorbeugung immer wieder neue Zielgruppen zu erreichen", sagte Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. "Gerade unter der jüngeren Generation haben HIV und Aids viel von dem ursprünglichen Schrecken verloren. Daher müssen wir die jungen Menschen in ihrer Lebenswelt angemessen ansprechen. Ich bin überzeugt, dass wir sie auf diese Weise motivieren können, sich selbst vor HIV zu schützen und bei möglichen Infektionsrisiken testen zu lassen. Hier leisten die Aidshilfen und andere Akteure einen wichtigen Beitrag."

Laumann traf anlässlich des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember heute mit dem Landesvorstand der Aidshilfe NRW zu einem Gedankenaustausch zusammen. Der Minister bestärkte die Aidshilfen, ihre Testangebote auszubauen und zielgruppennah anzubieten, um möglichst die zu erreichen, die sich am ehesten infiziert haben könnten. 

Minister und Aidshilfe betonten, alle gemeinsamen Anstrengungen fortzusetzen, um die "90-90-90-Ziele" der Weltgesundheitsorganisation, die es bis zum Jahr 2020 zu erreichen gilt, zu realisieren: 90 Prozent aller HIV-Infizierten sollten ihren Status kennen, 90 Prozent aller Diagnostizierten sollten Zugang zu Behandlung haben, und bei 90 Prozent der Behandelten sollte kein Virus mehr nachweisbar sein, und das bei null Diskriminierung der Zielgruppen.

Die Zahl der Neuinfektionen bei homosexuellen Männern etwa sei seit 2013 leicht rückläufig. Grund seien verbesserte Testangebote und ein früherer Beginn der HIV-Therapie, die auch die Übertragung von HIV verhinderten. Beides gelte es in allen Zielgruppen auszubauen und dabei auch kultursensibel und mehrsprachig zu agieren.

"Die HIV-Infektionszahlen könnten sinken, wenn auch in NRW alle möglichen Schutzmethoden verfügbar wären", erklärte Arne Kayser, Landesvorsitzender der Aidshilfe NRW. "Wenn beispielsweise die HIV-Prophylaxe PrEP für Menschen mit besonders hohem HIV-Risiko bei entsprechender Indikation von den Krankenkassen übernommen würde, könnten laut einer neuen Studie bis zum Jahr 2030 knapp 2.000 HIV-Infektionen verhindert werden. Das wäre ein Gewinn für die betroffenen Menschen wie für das Gesundheitssystem", so Kayser.

Bundesweit ist bei den Drogen gebrauchenden Menschen in den zurückliegenden Jahren ein Anstieg zu verzeichnen, in NRW stagnierte die Zahl. "Viele HIV-infizierte Menschen mit Drogenkonsum sind nicht in Behandlung. Daher muss der Zugang zur Therapie deutlich verbessert werden, zusätzlich müssen Risiko minimierende Angebote ausgebaut und mehr Plätze in Drogenkonsumräumen geschaffen werden ", plädierte Kayser. "Auch Menschen in Haft müssen Zugang zu sauberen Spritzen erhalten. Wir wissen, dass viele Gefangene Drogen injizieren, zugleich aber ein Prozent der Inhaftierten HIV-positiv ist und 20 Prozent mit dem Hepatitis-C-Erreger HCV infiziert sind. Wir appellieren an die Landesregierung, im Umfeld des Strafvollzugs niemandem einen möglichen Schutz vorzuenthalten."

Die Aidshilfe NRW sprach den Minister auch auf die sich verschlechternde Versorgungssituation von Menschen mit HIV in manchen Regionen des Landes an. Hier müssten langfristig ungewöhnliche Wege gefunden werden, um den Zugang zu Therapie- und Behandlungsangeboten zu erleichtern.

 

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